12.08.2010 Logroño – Nájera (33 km)

Es wird ein herzlicher Abschied aus Logroño. Wir bekommen Frühstück, richtig Milchkaffee, Müsli, Brot. Wir stärken uns Nochmals sind wir mit vielen Pilgern zusammen und freuen uns aneinander. Marko und Inigo sind allerdings schon eine Weile weg, sie sind sehr früh aufgestanden. Mit vielen Umarmungen verabschieden wir uns von den drei Hospitaleros und von Mario und Alina.

Santiago und die Hospitaleros von Logrono

Mitten zwischen den Pilgern

Der Tag begann klimatisch friedlich mit bewölktem Himmel, es war ein entspanntes Laufen. Der Camino aus Logroño heraus war voll, wir liefen in einem größeren Pulk durch die Parks, die dann schließlich auf den Weg zum See führen. Wir unterhielten uns unterwegs mit zwei jüngeren Pilgern. Einer kam direkt aus unserer Nachbarschaft hier in Berlin Prenzlauer Berg. Wir hatten ihn schon in der Herberge gesehen, er war mit zwei anderen Deutschen unterwegs, einem rothaarigen Jungen und dem blonden Mädchen, das Inigo so gefallen hatte. Er erzählte uns, dass er in Pamplona sich erstmal neu eingekleidet hatte, da er mit den falschen Sachen auf den Camino gestartet hatte. Er meinte, dass die Outdoorsachen dort sehr viel günstiger als in Deutschland waren… Er unterhielt sich auf Englisch mit einem etwa gleichaltrigen Brasilianer, der seine Flagge auf seinen Rucksack geheftet hatte. Wir flachsten eine Weile miteinander. Bald merkte man, dass die beiden mindestens einen Kopf größer waren als wir und diese Größe bei ihnen in Beinlänge umgesetzt war. Wir sind beide nur 1,65 m groß. Wir haben zwar einen schnellen Schritt, aber von längeren Beinen mit ebenfalls schnellerem Schritt werden wir dann doch abgehängt🙂

Auf dem Weg aus Logroño heraus der Stand von Marcelino Lobato Castrillo

Dann kam das langgezogene Stück zum See hin. Viele Einheimische waren hier sportlich unterwegs beim Walken oder Joggen. Das haben wir in der Nähe der Städte in den Morgenstunden unterwegs häufig gesehen! So war der Weg mit vielen Buen Caminos gesät. Unterwegs zückten wir am Stand von Marcelino Lobato Castrillo unsere Credenziale, um natürlich uns hier auch einen Stempel abzuholen.  Ähnlich wie der Stand von Feliza bzw. inzwischen ihrer Tochter wird hier gestempelt. Ebenso trugen wir uns in das Pilgerbuch ein. Marcelino ist eine beeindruckende Gestalt mit seinen langen Haaren und langem Rauschbart und er erzählte interessante Geschichten. Er verkauft hier auch Pilgerstäbe und Jakobsmuscheln. Uns schenkte er eine Haselnuss mit einem M darauf, die habe ich noch heute und sie liegt bei meinen Camino-Erinnerungen.

Ach schönes Logroño - Adios y graciás! Wegweiser auf dem Boden in der Stadt...

Durch ein Kiefernwäldchen führt der Camino zum Stausee von La Grajera, der Logroño wahrscheinlich auch zu seinen erstaunlich grünen Parks verhilft. In Spanien ist ja jeder kleine Grasplatz, jeder Kreisverkehr künstlich bewässert und die Parks natürlich erst recht. In den frühen Morgenstunden – so haben wir beobachtet – gehen die Sprinkleranlagen an, so kann das Gras der Sonnenglut trotzen. Das Maß der Bewässerung hier in Spanien erstaunt uns immer wieder.

An der Autobahn entlang führt der Camino nun, vorbei an den vielen Holzkreuzen im Zaun. Etwas ist die Wegführung verändert, auf jeden Fall sind die Wege inzwischen sehr ausgebaut worden, fast nur noch Piste. Auch gibt es inzwischen ganz schicke „Wandermöblierung“ unterwegs, teilweise überdachte Picknickplätze. Die brauchten wir heute auch, denn heute regnete es eine Zeitlang und eine kleine Pause unter einem Dach war dann sehr willkommen.

Der nächste Ort war Navarette. Und wir fragten uns: Erinnerst Du Dich an Navarette? Nein! Wir beide hatten keine Erinnerung an Navarette. Es liegt auf einem Hügel, man kann es von weiten sehen, während man darauf zuläuft. Kurz vor Navarette trafen wir nochmals Mario und Alina, dann waren sie als Radfahrer für uns auf und davon! Auch wenn Mario sehr rücksichtsvoll mit Alina umging und darauf achtete, ihr nicht zuviel zuzumuten, so waren sie ja doch wesentlich schneller. Buen Camino (gehabt zu haben), Ihr Zwei!

Wolken über Navarette

So konnten wir also Navarette für uns neu entdecken. Am Ortseingang von Navarette liegt eine große Bodega, Don Jacobo heißt sie passenderweise. Ja, wir sind halt in Rioja! In schmalen gewundenen Gassen geht es in Navarette bergauf, die Häuser sind meist erd- und ockerfarben im Altstädtchenkern. Wir sahen ein Café am Wegesrand, aber es war wegen des Wetters voll. Wir kehrten daher im Ayuntamiento für ein wichtiges Bedürfnis ein und später noch in der Kirche für ein anderes. Und anscheinend verpassen wir in dieser Zeit einen Regenguss, denn beim Verlassen der Kirche ist die Straße viel nasser als vorher. Navarette ist hübsch, in der Mitte gibt es einen Platz mit beschnittenen Platanen, im Sonnenschein ist es sicher noch viel einladender. Doch so trollen wir uns einfach… Jetzt können wir uns an Navarette erinnern! Die Regenwolken hingen weiter in den Hügeln, dort regnete es sicher noch. Doch der Camino führte weiter stetig an der Autobahn entlang, doch wir wussten ja, irgendwann geht es links weg davon und dann wären wir sie los. Die Hinweisschilder nach Ventosa lassen wir unbeachtet, dafür kehren wir in einer ehemaligen Ermita in ein ein kleinen Pilgermuseum ein, in das uns der Betreiber sehr herzlich einlädt. In den kleinen Seitenkapellchen sind die Provinzen dargestellt, durch die der Camino läuft: Weintrauben und Weinfässer für Rioja, Weizen für Kastillien und León, Muscheln und Nautisches für Galizien. Und ein paar Steinmännchen…die einzigen, die wir heute sehen werden…

Camino nach Nájera von 2007

Ja, wo sind nur die vielen Steinmännchen geblieben? Auf dem Weg nach Nájera führt der markierte Weg nicht mehr daran vorbei. Schade! Ohnehin: Die moderne Industriegesellschaft Spaniens frisst sich hier und andernorts immer mehr in den Camino hinein. Während damals das runde Steinhäuschen noch mitten in der Natur stand, so sind jetzt ganz nahe dabei viele Industriegebäude. Natürlich kamen wir auch bei dem Gedicht auf der Mauer der Fabrik vorbei, das gab es damals schon. Doch dazwischen ist viel neu Gebautes. Nach der Autobahn hatten wir einen wunderbaren, natürlichen Weg in Erinnerung und während auf dem Weg nach Nájera der Blick über die Weinfelder schier unendlich schien, so sind sie inzwischen meiner Meinung nach geschrumpft. Der Weg hinein nach Nájera zog sich in die Länge, auch hier waren die Häuser weiter an dem Weg entlang gewachsen. 

Am Ende der langen Straße bergab nach Nájera hinein sahen wir „Nadinchen“ stehen, die dort Ausschau hielt nach ihren Begleitern von gestern hielt. Selbst erkannte ich sie nicht, doch Santiago wies mich darauf hin. Wir überquerten die Brücke in Nájera, heute wollten wir hier einkehren und nicht noch die 6 km nach Azofra weiterlaufen, auch wenn dort die Herberge sehr schön war. In einem Straßencafé trafen wir auf Inigo und Markus, die dort Pause machten. Sie hingegen wollten noch weiter nach Azofra. Santiago frozzelte eine Weile mit ihnen herum, dann machten war endgültig die Herberge dran. Es ist ein einfacher langgestreckter Bau nahe des Rio Najerilla. Ein sehr netter Hospitalero begrüßte uns. Die Herberge nimmt Donativo, also kein fester Preis. Doch hier gebe ich inzwischen besonders gern, was ich habe. Der Schlafsaal ist ein großer Raum mit Betten dicht an dicht. Wir bekommen zwei Betten oben ganz in der hinteren Ecke, das ist uns recht.

Herberge in Nájera - eng, aber egal! Wir schlafen im Trocknen, was schadet uns das?

Unter uns schlafen zwei Italienerinnen und auch den Capucchino hatten wir schon gesehen. Wir geben uns einer spontanen, dafür aber ausführlichen Siesta hin, der Körper holte sich, was er brauchte. Und für die magenfüllenden Körperbedürfnisse suchten wir den Dia auf. Gerade, als wir den Supermarkt betreten wollen, rammt uns fast ein Radfahrer mit gestreifter Jacke, der mit dem Rad in den Supermarkt hineinfährt! Er stellt sein rotes Fahrrad an die Wand und zieht los. Wow – so geht es auch! Ich hatte heute eine spezielle Essensneigung, ich hatte Appetit auf Fleischwurst. Vor dem Museum hatte eine Frau herzhaft in eine Wurst gebissen und diesen Anblick hatte sich mein Apetit-System gemerkt. Ich fand Geflügelwürstchen in kleinen Packungen, sogar im Sonderangebot, wobei Dia ohnehin schon sehr günstig ist…

In der Herberge zurück machten wir uns also gleich in die Küche auf, um uns die Würstchen zu braten. Als Santiago auf den Herd zuging, kam wieder der Typ mit der gestreiften Jacke an, schubste Santiago aus dem Weg, um zuerst den Herd zu belegen und sich seinen Einkauf zuzubereiten. Das waren die ersten Begegnungen einer langen Reihe…wartet ab…

Nach dem Essen erkundeten wir Nájera. Ich wollte nun dringend mal nach neuen Wanderschuhen Ausschau halten. In einem alten Schuhgeschäft wurden mir mehrere Paare steinharter Wanderstiefel gezeigt, nee, das war es nicht. Wir schauten auf die Uhr, es war Zeit für die Messe. Und wieder erlebten wir einen langweiligen Altherren-Gottesdienst. In der Sakristei holten wir uns unser Credenzial und kamen mit dem Padre ein wenig ins Gespräch. Ja, es war ein alter Mann, der auch nicht der Ortspfarrer war. Unter seiner Alba trug er ein gestreiftes Hemd und braune Hosen, ein ganz einfacher Mann, in seiner ganzen Körpersprache freundlich, doch ohne Energie. Seine Mitarbeiterin schien hier auch das Heft in der Hand zu haben, sie übernahm alles und drückte die Stempel in die Kästchen und schickte uns durch den Seitenausgang nach draußen. Das war’s! Wir liefen zur Herberge zurück. Im Schlafsaal entdeckten wir gleich vorn eine Mutter mit Baby, das sie noch mit der Flasche fütterte. Das war auch ein ungewöhnlicher Anblick! Eine frühe Nachtruhe beendete unseren Tag, trotz der Menschenfülle schliefen wir prompt ein. Ein gänzlich unspektakulärer Pilgertag – irgendwie…

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