11.8.2010 Los Arcos – Logroño (31 km)

Santa María Los Arcos

Um 6 Uhr klingelte unerbittlich der Wecker. Hier gab es auch keine Ausreden, wir konnten direkt das Licht einschalten und mussten nicht im Dunkeln wühlen, denn wir waren allein im Zimmer. Unser täglich Kaffee gab es in der Herbergsküche, recht spät brachen wir auf, als es dämmerte. Wir verabschiedeten uns im Vorbeilaufen von der schönen Santa-María-Kirche und im Geiste von den netten Menschen dort.

Viele Pilger unterwegs...

Der Camino war voll. Nach ein paar Schritten waren wir wieder auf voller Geschwindigkeit, unser morgendlicher Laufgenuss. Schnell mussten wir die Jacke ausziehen, es wurde warm. Wir begannen einen gemeinsamen Rosario, bei dem Santiago plötzlich entgegen aller Gewohnheit langsam laufen wollte. Ich verstand nicht, wieso. Irgendwie gab es darüber Unstimmigkeiten zwischen uns und wir brachen ab. Ich betete allein weiter,  Santiago sah ich noch ein Weilchen von hinten, traf ihn nochmals in Sansol, dann gar nicht mehr. In Sansol fotografierte mich ein Mann, drückte mir einen Zettel mit der Webadresse in die Hand, ich würde dort mein Foto finden. Hier ist es! Und wenn jemand ganz viele unterschiedliche Bilder sehen will, kann man das dort auch! Oder einfach mal unter dem Datums des eigenen Durchquerens von Sansol nachschauen! 

Ich erinnerte diesen Weg und seine Steigungen und Abstiege, allerdings auch, dass wir ihn damals sehr zügig geschafft hatten. Diesmal klappte das auch. Allein erreiche ich Viana schon gegen 11 Uhr. Die Stadt war voll, vor allem voller Pilger, die hier ihre Frühstückspause gemütlich an den Brunnen und in den Straßencafés sitzen. Ich laufe durch bis zur Kirche Santa María de la Asunción, auf die ich mich schon gefreut habe. Meine Pause fand hier statt, meinen Rucksack setzte ich an einer Säule ab und genoss die halbdunkle, andächtige Stille in der Kirche.

Kirche Santa María Viana

Dieser Ort hat eine besondere Kapelle hinter dem Altar, etwas ganz Seltenes: die Stadtpatronin Maria Magdalena.  Ich ließ mich in Ruhe auf sie ein und hörte in mir, als ob sie mir sagt: Suche nicht nach Santiago! Gehe die Dinge mehr aus der Ruhe und deinem eigenen Schwerpunkt an. Ok… Es ist auch grad so: keiner steht hinter mir und wartet jetzt, dass ich endlich fertig bin, auch mal schön! Beim Hinausgehen wollte ich mir meinen Stempel abholen – und entdeckte, dass ich meinen Credencial in Los Arcos in der Herberge vergessen haben musste. Er hatte erst drei Stempel, der Verlust ist nicht so riesig, es hing nicht so viel dran, wie bei meinem alten Credencial mit den Stempeln von Porto, Coimbra, Fátima, Madrid und Montserrat. Obwohl, es ist der Credencial des Heiligen Jahres, den ich eben in Montserrat gekauft habe…

Was nun? Die Damen am Stempel schickten mich zum Tourismus-Büro. Doch dort gibt es auch keine Credenciale, sondern nur in der Herberge, die öffnete aber erst ab 12 Uhr. Aber sie riefen für mich in Los Arcos an, damit sie mir meinen Credencial und die anderen Papiere, z.B. die Emailadressen der Familie von Mari Carmen nach Hause schicken – ist inzwischen übrigens alles wohlbehalten hier – danke dafür! Noch war es nicht 12 Uhr, daher gönnte ich mir noch ein Eis im Schatten und Getümmel des Platzes an der Kirche. Ein anderer Pilger, der meine Geschichte im Tourismus-Büro mitbekommen hat, sprach mich an und empfahl mir, nach Los Arcos zurückzulaufen und meinen Credencial mir zu holen…neee, also wirklich nicht.

Da ich auch nicht bis Logroño warten wollte mit dem Credencial, damit ich den Stempel von  „Feliza – Higos, agua y amor“ nicht verpasste, stand ich um 12 vor der – zumindest von außen – sehr schönen Herberge in Viana und erstand meinen neuen Credencial, eine Eigenkomposition von Viana mit grünen Emblemen vorn drauf. Er war mir eine lange Erinnerung an Maria Magdalena, an die ich jedesmal dachte, wenn ich auf meinen grünen Credencial schaute.

Kurz nach 12 suchte ich mir also wieder meine Pfeile und los ging es nach Logroño – weitestgehend bergab, denn die Stadt liegt schon von weitem sichtbar im Tal. Da ich alleine lief, nutzte ich die Gelegenheit zum Beten und Singen, ich kam an diesem Tag durch alle vier Rosenkranzgeheimnisse durch – auch mal wieder schön. Irgendwann blieb mir aber die Luft weg – es war heiß und mir wurde langsam schwindelig. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass die den Weg seit dem letzten Mal umgelegt haben. Das Industriegebiet zwischen Viana und Logroño führte jetzt durch ein Wäldchen an der Autobahn durch. Als ich wieder anfing, ständig zu stolpern, setze ich mich auf einen Erdwall hin, aß meine Tomate mit viel Salz, trank mein lauwarmes Wasser dazu.

Santiago unterwegs und rechts von ihm Giorgio

Endlos zog sich der Weg hin, es sind neue, extra für die Pilger angelegte Wege, die einen durch das Gewirr der Landstraßen, der Autobahn und des sich zwischen Viana und Logroño immer weiter ausdehenende Industriegebiet hindurchführen. Hoffentlich ist das bald zu Ende! Endlich, endlich erreichte ich den Stand, an dem ja nun nicht mehr Feliza, sondern ihre auch schon 75-jährige Tochter Maria sitzt und die Pilger vor Logroño begrüßt. Higos gab es in diesem Jahr nicht, aber der Stempel wurde in den nagelneuen Credencial gedrückt. Nun war es nicht mehr weit, das wusste ich. Vor der Ebro-Brücke von Logroño befindet sich jetzt für die Pilger ein Wasserbecken für die Füße, so wird es jedenfalls genutzt. Dort traf ich Giorgio wieder und fragte ihn, ob er Santiago gesehen hatte.  Hatte er, Santiago war schon LANGE durch!

Santiago parkte seinen Rucksack schon um kurz vor eins vor der Herberge

So überquerte ich auch den Ebro und ging – diesmal schnurstracks – auf die parroquiale Herberge zu, klingelte und wurde eingelassen. Zu dritt – eine ander Deutsche und ein Franzose – wurden wir von Antonio begrüßt und in die Regeln, Zeiten und Aktivitätender Herberge eingewiesen. Ich übersetzte für den Franzosen. Zum Schluss wurden wir gefragt, ob wir daraufhin bleiben wollten. Klar blieb ich. Hier gab es keine Bücher mit Listen, sondern für jeden ankommenden Pilger gab es einen Strich samt Nationalität auf einem Flipchart. Die Credenciale würden erst am späten Abend nach der Pilgerandacht gestempelt. 

Schlafplätze auf Matratzen - dafür am Herz der Madonna!

Ich fragte Antonio, ob Santiago schon angekommen ist, da ich ihn nicht antraf. Klar war er schon. Er hatte auch schon zwei Schlafplätze besetzt und Antonio zeigte mir im großen Raum ganz hinten, direkt vor einem riesigen Madonnenbild, unseren Platz. Hier in Logroño gibt es Matratzen auf dem Fußboden, aber das ist völlig ok. Besser hier als in der munizipalen Herberge, lieber einfach, dafür mit Herz. Ich war völlig verschwitzt, geschafft, immer noch schwindelig und müde und legte mich erstmal hin, nur Schuhe aus und auf meinen Schlafsack gelegt. Alles andere würde erstmal sich gedulden müssen…

Als ich wieder aufwachte, war Santiago da. Er war schon vor der Öffnungszeit der Herberge in Logroño angekommen, hatte bereits die Stadt besichtigt. Joaquín, der zweite Hospitalero kam zu uns und begrüßte Santiago mit einem kräftigen Handschlag und „chévere“, das ist ein südamerikanischer Ausdruck für „klasse“ oder „toll“. Mich nahm er in den Arm. Es war wirklich eine sehr herzliche Aufnahme hier in der Herberge.  Wir unterhielten uns eine Weile über „Woher-Wohin“, dann zog Joaquin weiter zu den anderen Pilgern. Die Herberge in Logroño hat nur zwei Badezimmer mit jeweils einer Dusche, einem Waschbecken und einem Klo, eins für die Männer, eins für die Frauen. Entsprechend rationell muss man mit der Körperhygiene umgehen.

Santiago erhielt heute viel Aufmerksamkeit aufgrund seines Namens. Jeder grinste bis johlte, wenn er ihn hörte, alle freuten sich, unterwegs einem leibhaftigen Santiago zu begegnen. Eine Pilgerin fragte ihn, ob sie ihn mal umarmen dürfte. Klar doch! Gegen 1/2 5 gingen wir in die Küche, um beim Kochen zu helfen. Hier in der Küche leitete und Luigi an, der 3. Hospitalero im Bunde aus Italien. Auch Luigi war wirklich klasse, schwung- und temperamentvoll, leidenschaftlicher Koch, trotzdem umsichtig, voller Freude und Humor. Santiago wurde zum Salatmachen eingeteilt, ich schnappte mir die Karotten und setzte mich an den Tisch neben der offenen Küche. Ich bin es gewöhnt, für viele Menschen mitzukochen. Seit meinem letzten Camino helfe ich – aus Dankbarkeit über Aufnahme und Versorgung auf dem Camino durch so viele Freiwillige – jeden Winter bei der allwöchentlichen Obdachlosenbetreuung in unserer Gemeinde. Mir gegenüber setzte sich Walter aus Paraguay, Seminarist und über den Sommer im Dienste der Santiago-Kirchengemeinde, und schnipptelte auch – Zwiebeln. Zunächst unterhielten wir uns über Romulo, den wir hier vor 3 Jahren als Seminarist kennen gelernt haben und mit dem wir eine wirklich herzliche Begegnung hier hatten.

Wir kamen ins Gespräch über den Papst. Weil ich Deutsche bin, wollte Walter wissen, was ich als Deutsche von Benedikt XVI. halte. Das war ja ein passendes Thema. Ich erzählte ihm, dass nach der anfängliche Begeisterung für unseren deutschen Papst inzwischen diese Begeisterung in Deutschland sehr abgekühlt war. Wir kamen dann in der Diskussion zu meinen Lieblingsthemen Eucharistie, Zölibat, Frauenpriestertum, aber auch zu erwünschten Armut und wie Jesus nun wirklich die Gemeinschaft beschrieben hätte, die er verwirklicht sehen wollte. Walter erzählte mir von der Armut der spanischen und lateinamerikanischen Pfarrer. Zu den anderen Themen argumentierte ganz viel, dass dieses eben Traditionen der katholischen Kirche seien, und schon deshalb zu erhalten seien (seit wann das denn???), selbst wenn sie nicht im Wort begründet sind. Frauen dagegen sind ohnehin ganz anders und für das Priestertum von der Anlage her völlig ungeeignet, was ja auch Paulus meinte, was ich widerum weder glaube noch nachvollziehen kann.

Auch das Zölibat halte ich für keine gute Idee und es ist ebenfalls nicht vom Wort und von Jesus Berufungspraxis her begründet. Ich glaube, dass Elternschaft ein wundervoller Weg zur Demut und zum Verständnis dafür sind, wie Gott uns liebt. Das Maß an Liebe, das mir Gott einfach ins Herz „gekippt“ hat, als ich meinen Sohn bekam, das war wirklich überirdisch. Doch Er zeigt uns auch, dass Kindern mit Freundlichkeit und Förderung allein nicht beizukommen ist. Auf dem Weg zur Selbständigkeit sind sie auch immer wieder zu fordern, damit sie sich fühlen und erkennen können. Gerade die Kombination, ein Wesen so, so sehr zu lieben und trotzdem ihm nicht alles zu geben, was es will, sondern was es braucht, ist eine wichtige Erfahrung. So können wir auch Gottes Eingriffe in unserem Leben immer besser verstehen. Ein Zölibatär enthält sich dieser so natürlichen Schule der Liebe, die uns mit unserem ebenfalls natürlichen Sexualtrieb mehr als deutlich anempfohlen wird. Einen überzeugenden Grund gab er mir während der ganzen Unterhaltung nicht, ehrlich. Und so lade ich alle herzlich ein, mir gute Gründe zu nennen. Bisher habe ich keinen gefunden.

Allen Lesern will ich hier gern eingestehen, dass ich eine Verfechterin der Einheit der Christen bin, einer einzigen, geeinten christlichen Kirche, nicht der versöhnten Vielfalt unterschiedlicher Konfessionen. Ich kann es auch nicht nachvollziehen: In Gott ist keine Trennung, wir alle beten zum selben Jesus. Allerdings halte ich die katholische Kirche für einen sehr wichtigen und guten Teil von dem, was es derzeit gibt. Einige Dinge hat sie gut umgesetzt, andere dafür sind für mich in anderen Glaubensgemeinschaften auch deutlich gut und erhaltenswert! Für mich: Eine Wiedervereinigung der Kirchen sollte genauso friedvoll stattfinden wie die deutsche Wiedervereinigung. Doch sollte mit viel Herz und Geist und Orientierung an Wort und Schöpfung geprüft werden, was jeweils erhaltenswert ist. Nicht, dass wie bei der Deutschen Wiedervereinigung nur Bautzener Senf, Spreewälder Gurken, das Ampelmännchen und Rotkäppchensekt übrig bleiben…

Santiagos Ergebnis als Salatkoordinator

Irgendwann hatte ich alle Karotten und Walter alle Zwiebeln geschnitten und keiner hat den anderen überzeugt. Ich half Santiago in der Küche weiter beim Salat vorbereiten. Er hatte sich inzwischen herzlich mit Mario und Alina aus Italien angefreundet, die mit ihm gemeinsam am Salat arbeiteten. Wir waren ein tolles Team, wir lachten viel und schafften so 8 große Schüsseln Salat und einen großen Topf voller Nudelsoße. Anschließend wurden wir entlassen, um nun Logroño noch zu genießen. Schnell machten wir uns fertig, jetzt war shoppen dran. Ich brauchte endlich wieder ein 2. Paar Schuhe. In einem Chino-Basar fand ich brauchbare Flipflops zu einem verträglichen Preis. Ich behielt sie gleich an und endlich bekamen meine Füße wieder Luft. Und es gab eine große Flasche Fanta, die unseren großen Durst löschte. An einem Gebäude sahen wir eine Temperaturanzeige: Schon wieder 38 Grad! Kein Wunder, warum ich nach der Strecke wieder so fertig und geschafft aber auch durstig gewesen war.

Wir kamen rechtzeitig zur Abendmesse in die Kirche, sogar noch rechtzeitig zum Rosario. Ein kleiner Spanier betete recht laut an unserer Seite. So lernte ich den Mitpilger Inigo kennen, Santiago kannte ihn schon.  

Innenraum der Santiago-Kirche

Jesús a Santiago Real

Immer da: mein Gott, Therapeut, Lehrmeister, Gesprächspartner, guter Freund und ständiger Begleiter

Diese Kirche ist einfach ein Gedicht. Sehr hoch, ein weiträumiges Schiff. Vorn ist ein großer, goldener Hochalter mit einer ausdrucksvollen Santiago-Figur. An der dem Eingang gegenüberliegenden Seitenwand ist eine wundervolle Herz-Jesu-Figur. Im hinteren Teil der Kirche ist ein abgeteilter Raum, über dem ein großes Santiago-Schwert hängt. Dort befinden sich geschnitzte Holzsitze. Hier fand beim letzten Mal die Pilgerandacht statt.  Ein anderer kleiner Filipino-Seminarist (den Namen habe ich tatsächlich vergessen) war mit den Vorbereitungen beschäftigt. Als der Gottendienst begann, sahen wir auch den Capucchino wieder, der auch hier kozelebrierte.  Außer ihm waren noch zwei spanische Padres da, ein alter und ein noch älterer, hutzliger, den man bei der Lesung des Evangeliums nun gar nicht verstand. Schade, der nette, dunkelhaarige Padre, der uns beim letzten Mal so wundervoll betreut hatte, war nicht da, vielleicht war er ja im Urlaub. Mal. Walter hielt die erste Lesung. Die beiden Padres zelebrierten dann eine sehr langweilige Messe, das war total öde – kein Geist, nur Geleiere.

Mit Antonio und Joaquin und zwei anderen Pilgern warten wir aufs Essen

Nach der Messe blieben wir noch ein wenig auf der Straße und quatschten mit anderen Pilgern und den Hospitaleros Antonio und Joaquin, bevor wir alle hinaufgingen, um uns zum Essen fertig zu machen.

Luigi, der italienische Küchenchef, und sein Salatmeister Santiago

Die Herberge war voll. Es waren viele Italiener da, eben rund um den Cappuccino. Es gab auch einige deutsche, zwei Jungs und ein blondes Mädchen. Santiago taufte sie Nadinchen. Wegen Nadinchen fragten uns auch Inigo und Marko, zwei spanische Pilger aus dem Baskenland, die uns gegenüber schliefen, ob in Deutschland alle Mädchen so hübsch wären. Nadinchen hatte Fußweh, wohl eine Blase und ging deswegen sehr vorsichtig mit sich um. Morgen würde sie den Bus nehmen.

Schlafraum der Herberge

Im Comedor, dem Essensraum, waren alle Tische gedeckt bis zum letzten Platz. Zu uns setzten sich Mario und Alina und die Hospitaleros und die beiden Seminaristen. Außer dem von Santiago so hervoragend zusammengestellten Salat gabe es PASTA, von Luigi genial italienisch al dente zubereitet, dazu die Nudelsoße mit Tomate, Zwiebeln und den von mir zugeschnittenen Karotten. Auch dieser Abend bekommt einen Superlativ: Dieses war der insgesamt fröhlichste Abend des diesjährigen Caminos, der mit am meisten Gemeinschaft.

Fröhliche Pilgertafel, eng, aber herzlich und lecker

Gemeinsam wurde abgewaschen und dann ging es tief durch den Keller der Herberge in die Kirche zur Pilgerandacht. Wieder fand sie in dem abgeteilten Raum hinten in der Kirche statt. Jeder bekam ein Heftchen in seiner Sprache, um der Andacht folgen zu können bzw. ein Teilstück zu lesen. Auf Spanisch, Italienisch, Englisch, Französisch und Deutsch wurden die einzelnen Gebete, Psalmen, Segenswünsche gelesen.

Pilgerandacht in der Santiagokirche

Zum Schluss wurde das Licht gelöscht und eine große Kerze herumgereicht. Eine sehr berührende, andächtige-stille, ja auch romantische Stimmung kam in dieser alten Pilgerkirche auf, denn auf unseren Stühlen hatten bestimmt schon sehr, sehr viele Pilger gesessen. Jeder, der die Kerze in den Händen hielt, konnte sie ein wenig für sich betrachten und ihre Wärme spüren und in seiner eigenen Sprache ein paar Worte zu den anderen sagen. Santiago ergriff als erster das Wort: Er zeigte uns die Kerze als Beispiel. Jeder von uns sollte zur Kerze, zum Licht in der dunklen Welt werden, der den Anderen Licht und Wärme schenkt und sie aufweckt. Das Licht verglich er mit dem Bewusstsein – für den Nächsten, für unseren Planeten – um Anderen immer wieder einen Anstoß zu geben, bewusst achtsam, sorgsam und freundlich mit allem umzugehen und so Licht in unsere Weltgemeinschaft zu bringen. Ganz rührend fand ich ein französisches Pärchen. Er bedankte sich bei Gott und seiner Frau – sie mit glänzenden Augen ansehend -, dass er diesen Weg mit SEINER Helene gehen dürfte. Solche Männer sollte es mehr geben, das wünscht sich doch jede Frau, oder?

Ich selbst hatte an diesem Abend das Gefühl, dass zwar im Gottesdienst nicht viel Geist gewesen war, jedoch unter Pilgern und Hospitaleros ganz viel Gemeinschaft, Herzlichkeit, Freude und Teilen herrschte, so wie Jesus sie uns vorgeschlagen hat. In der Herberge war der Geist Gottes sehr lebendig, seine Früchte intensiv zu spüren. Ich wählte daher nur die Worte: „Jesús vive hoy y aquí!“ – „Jesus lebt heute und hier!“ Nach der Andacht zogen wir alle einmütig in die Sakristei, damit unser Credencial gestempelt wurde.

Santiago und Antonio schreiben sich noch heute

Mario und Alina, zwei ganz herzliche Fahrradpilger aus Italien

In der Herberge zurück unterhielten wir uns noch eine Weile mit den Hospitaleros und Mario und Alina, so glücklich und strahlend fröhlich, wie er aussah, waren wir alle! Im Schlafsaal  frozzelte Santiago noch eine Weile mit Inigo und Marko, tauschte mit ihnen seine Facebook-Adresse aus. Sie wollten am nächsten Morgen sehr früh aufbrechen.

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