09.08.2010 – Auf zum französischen Weg – Viva Pamplona

Lächelnder Abschied vom Camino Aragonés und Vorfreude auf Pamplona

Wir standen sehr früh auf an diesem Tag, wir hörten, dasss oben im Dorf noch gefeiert wurde. War also auch kein so großes Pech, dass wir nicht in der Herberge übernachtet hatten, sondern in unserem persönlichen Refugio. Das Trampen nach Pamplona hat gut geklappt. Wir brachen früh auf in Artieda und liefen den Zubringer zur N 240, an der wir schon zwischen St. Cilia de Jaca und Puente la Reina de Jaca entlang gelaufen waren. Noch einmal querten wir den Camino Aragonés am Kilometer“holz“,787 km, dann war dieser Wegabschnitt auch vorbei. Wir überquerten wieder den Rio Aragón, dann bogen wir auf die 240 ab.

Sonntagmorgenstimmung am Rio Aragón

Beim Laufen halten wir schon den Daumen raus, aber keiner hielt an. An einer Tankstelle entschieden wir uns, zum Trampen zu bleibehn. Der Tankwart war  ein Engel und hilft uns, wo er kann. Es gab erstmal Kaffee, auch eine Toilette. Es fuhr sogar ein Bus demnächst. Wenn keiner anhielt, dann könnten wir auch Bus fahren. Aber erst mal sehen. Abwechselnd stellen wir uns an die Straße, doch der Tankwart kam nach einer Weile und riet uns, uns direkt an die Kreuzung neben der Tankstelle zu positionieren. Ich tat, was ich immer machte in solchen Situationen. Ich zückte meinen Rosenkranz und begann erstmal an diesem Sonntagmorgen den Herrn zu begrüßen und ihn um Hilfe zu bitten. Als ich den Rosenkranz fertig gebetet hatte, war es dann so weit. Ein Pärchen – er wollte mit seinem Leichtflugzeug fliegen gehen – nahm uns die ersten 30 km mit. Wir fuhren lange an dem großen Aragón-Stausee Embalse de Yesa entlang.

Von diesem Stausee hatten wir vorher schon einiges in Artieda gelesen. Die Bewohner der Gegend sind absolut dagegen, dass dieser Stausee – wie zur Zeit geplant – vergrößert werden soll. „Yesa No“ heißt die Initiative. Das würde auch die Route des Caminos verändern. In Artieda gibt es einen Haufen mit blauen Steinen, die von den Pilgern als Protestnote auf dem Camino bis Santiago abgelegt werden können. Ich habe mir einige kleine Steine mitgenommen, die großen hab ich liegengelassen. Man muss sich ja nicht noch extra belasten.

Ich habe einen der blauen Steine später am Cruz de Ferro abgelegt, als Zeichen und auch für das Ablegen eigenen unbewussten Handels in Bezug auf die Umwelt und Verminderung meiner Teilhabe an Umweltsünden. Und es hat sich was getan daraufhin mit meinem Bewusstsein und meinem Leben! Mein Auto ist jetzt verkauft, ich beschäftige mich jetzt intensiv den Themen Bio und Fairtrade. Wir können die Dinge verändern! Wahrhaftig, durch Bewusstsein und bewusstes Handeln aller eine evolutionäre Entwicklung von unten nachhaltig anstoßen: Wenn alle auf Ökostrom umsteigen würden, wenn alle auf Bio umsteigen würden, wenn alle auf Fairtrade (Liebe Deinen Nächsten, auch Silas aus Senegal!) achten würden…wie könnte dann das andere bestehen bleiben? Atomstrom, Umweltzerstörung durch Intensivlandwirtschaft, Tierquälerei in der Lebensmittelproduktion – um nur drei ganz deutliche Beispiele zu benennen.

Das Pärchen laesst uns an der Tankstelle von Liédena aus und sofort konnten wir umsteigen in einen anderen Wagen, der uns bis nach Pamplona in die Innenstadt brachte. Es klappte einfach auf die erste Anfrage hin: Ein älteres Ehepaar war auf dem Weg zum Meer. An der Plaza Principe de Viana stiegen wir aus. Wir laufen nur ein paar Straßen weiter zur Herberge Jesús y Maria,die gerade aufgemacht hatte und registrietren uns. Im vordersten Teil der Herberge belegten wir unsere Betten, hier gab es als Wanzenschutz frisch gewaschene Bettwäsche für jeden! 

Siesta auf dem Patio der Herberge Jesús y María in Pamplona

Und nun begann das ganze übliche Camino-Programm, was in dieser wunderbaren Herberge möglich ist. Wir duschten, wir gönnten uns eine Waschmaschine, damit wir den Camino Francés wieder halbwegs „anständig“ beginnen konnten, währenddessen gab es eine kleine Siesta im Hof, wir aßen die Reste der Feier aus Artieda. Zwei Leute fielen uns auf. Wir kamen ins Gespräch mit der langen, blonden Julia aus Deutschland, die mir von ihrem Waschmittel etwas abgab, Danke! Sie war von St. Jean gekommen und war noch in ihrer Orientierungsphase, ihrer „Geburt auf dem Camino“. Ich weiß, sie hat ihr Ziel erreicht. Ich sah sie an unserem letzten Tag in Santiago strahlend auf das Pilgerbüro zulaufen, selbstbewusste und dynamische Körpersprache, Hand in Hand mit einem Mann. Und wir sahen einen Mann in beiger Kleidung, der sehr gut Bescheid zu wissen schien und viele Ratschläge erteilte. Ihn würden wir das erste Mal in Los Arcos wiedersehen. Nachdem die Wäsche aufgehangen war, brachen wir auf, um das pulsierende Pamplona zu genießen:  voller Musik, voller Menschen und Pilger. Einsamkeit hatten wir jetzt lange genug…

In der Kathedrale von Pamplona

Wegweiser für Pilger in Pamplona

Wo solls denn hingehen in Pamplona?

Unser erster Weg führt uns zur Kathedrale, die gerade Baustelle war. Wir wollen doch unbedingt morgen früh die Laudes nicht verpassen und schauen, wann wir dazusein haben. Und sie war wundervoll in mittäglicher Stille, alles war wunderbar an diesem Nachmittag in Pamplona, so wie wir es uns erhofft haben. Wir schauten an der Plaza vor dem Ayuntamiento nach und fanden wieder den Stand, wo wir kostenlos die schönen Postkarten schreiben konnten – von San Fermín, von der Kathedrale – schick! Auf den Murallas, der Stadtmauer umrundeten wir einen Teil der Altstadt von Pamplona, vom Parque de la Taconera wieder bis ein Stück hinter der Kathedrale. 

Wir besuchten auch wieder die Ciudadela – Zitadelle und fanden  die Gruppe der Volleyball spielenden Ecuadorianer und ihrer Familien wieder. Santiago freute sich über einen Sonntagnachmittag im Park mit seinen Landsleuten, so wie es aus Quito kannte. Wir saßen auf einer Bank in der Sonne, genossen auch die Pause unserer Füße heute. Kurz vor sechs Uhr machten wir uns in die Stadt auf, um zum abendlichen Gottesdienst nach St. Nicolás zu kommen, doch irgendwas stimmte an unserem Timing nicht, es gab keinen.

Zurück in der Altstadt: Überall tauchte Musik auf. An vielen Stellen in der Stadt sind kleine Bühnen aufgebaut, an denen Konzerte unterschiedlichster Art stattfinden: klassischer Gesang, Jazz, Blechbläser, davor stehen ein paar Stuhlreihen und man kann sich einfach hinsetzen und zuhören, wenn jemand anfängt. Viele, die den Camino Aragonés gelaufen sind, schütteln wahrscheinlich den Kopf ob unseres Abbruchs, aber: das war jetzt echt ganz genau, was wir brauchten! Der Camino Catalán ist vom Aragonés nicht zu toppen, aber wir wollen jetzt mal feiern und Urlaub von einem Camino Duro! Wir sind nun mal beide Großstädter und lieben auch „Summer in the City“ und eben vom letzten Mal besonders Pamplona! Immer wieder kommt aus irgendeiner Gasse Musik, ein kleiner Umzug, Menschen tanzen zu mitreißender Musik: Fröhlichkeit, Lockerheit, Kultur, Folklore, Ausgelassenheit! Genau das, was uns Jesús, Salvador, María Cruz und Consuelo verschrieben hatten! Für einen Nachmittag mutierten wir vom asketischen Pilger zum relaxten Spanien-Urlauber. Ich lasse einfach mal wieder die Bilder sprechen:

Blaskonzert auf dem Platz gegenüber dem Ayuntamiento

Auf dem Rückweg trafen wir den Radfahrer von der Kathedrale in Huesca in einer Gruppe von Bicigrinos wieder. Er war inzwischen nach St. Jean Pied de Port geradelt und von dort aus über Roncesvalles nach Pamplona. Ganz stolz und zufrieden war er auf sich und seinen Weg und wohl ebenfalls froh, unter anderen Bicigrinos zu sein. Wir fragten ihn nach einem Flicken, aber er hatte nichts passendes für uns. Obwohl es Sonntag war, waren einige kleinere Läden auf und so erstanden wir uns noch alles notwendige für ein Abendbrot.

Mit einem Konzert auf der Plaza del Castillo und einem fruchtigen Eis ließen wir den schönen Tag ausklingen.

Konzert auf der Plaza del Castillo in Pamplona

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