5.08.2010 Bolea – Estación St. Maria y Peña

Auch hier gab es in der Küche wieder Kaffee und Galletas (Kekse) zum Frühstück, mehr Vorräte hatten wir nicht. Egal, wir merkten, dass uns das morgens gut tut. Heute war der Tag der Tage: Heute ging es in die Pyrenäen! Ich hatte in der Vorbereitungszeit den Camino Catalán ganz besonders für Santiago ausgesucht, der die Berge so liebt. Und heute würden wir nicht sie nicht nur uns an der Seite begleiten lassen, nein, heute würde es uns richtig in die Berge hochführen. Es war frisch heute früh!

Hinter Bolea war wieder so ein Ortsausgang, wo man schreien moechte: Etwas mehr Farbe, Amics Pelegrins! Wir versuchten auf gut Glück einen der Wege „zwischen den Feldern“ und trafen nach langer Zeit unterwegs auch auf einen einsamen gelben Pfeil an einem Gehöft. Hier waren einige freilaufende Hunde und einer dieser Hunde entschloss sich, uns eine Weile zu begleiten. Doch ein Stück weiter machte ein Schäfer Santiago klar, dass wir den Weg nach Aniés verpasst hätten und schon direkt auf dem Weg nach Loarre waren.

Begegnung mit einem Schäfer

 Doch der Weg hatte auch etwas sehr Gutes. Ich entdeckte am Wegesrand einen langen, gerade Holzstab, der ab diesem Moment Santiago als „bastón“, als Wanderstock diente. Er war gerade, fest und trotzdem dünn und daher leicht – ideal. Und gerade zur rechten Zeit für die Berge. Na ja, egal, irgendwann muss es mal  diesen Weg hier entlang gegangen sein. Wunderschön war er in jedem Falle!

Schafherde in der Morgensonne

In Loarre gab es an der Kirche eine Baustelle, doch daran vorbei kommt man auf einen mit niedrigen Platanen bestandenen Platz mit einem romantischen, efeuumwachsenen Brunnen und verschnörkelten Bänken. An der rechten Seite des Platzes gab es eine Panaderia, wir konnten für unser Frühstück einkaufen, kauften Brot und ein großes Stück Käse – semicurado=halbreif bzw. halbtrocken hatten wir inzwischen ausgemacht als gute Mischung zwischen spanisch lecker und preisgünstig. Tierno – frisch, das war es geschmacklich und von der Konsistenz meist nicht so… Der Bäcker schenkte und noch ein leckeres Stück Kuchen dazu, sehr würzig und angenehm süß, es schmeckte ein wenig nach Anis und vermittelte einem so ein heimeliges Gefühl im Innern. Danke dafür!

Wir suchten uns einen Park und rechts ein Stück hinein fanden wir einen gemütlichen Picknickplatz unter Bäumen, an diesem Morgen etwas windig für meinen Geschmack, aber mit Holzbänken und Tisch. So darf es sein! Wir knickten uns das grossartige Schloss von Loarre … denn wir hatten noch knapp 20 km auf dem Zettel.

Und hier unser Tip für alle nachfolgenden Pilger: Tut das nicht! Wenn Ihr Euch etwas anschauen wollt und für etwas Zeit haben wollt, dann schaut Euch in Ruhe Loarre an und genießt den Tag hier. Hier zwei Links, denn wir haben ja keine Bilder:

Castillos de Aragon, eine Seite über alle Castillos in ganz Aragón

www.castillodeloarre.org/castillo.htm  (Achtung, es geht Musik an, falls Ihr im Büro sitzt, vorher den Lautsprecher ausschalten ;-))

Das Castillo de Loarre war in 2005 Drehort für einem Film von Ridley Scott „Königreich der Himmel“ mit Orlande Bloom, Jeremy Irons und Eva Green. Da haben wir nun auch unsere Filmkulisse, wir sind nicht die einzigen, die diesen Ort für so monumental halten. Hier ist der Trailer des Films. Das Schloss, was man gleich zu Anfang sieht, das ist Loarre. Lauft anschließend weiter den angenehmen Weg nach Sarsamarcuellos und übernachtet dort in der Herberge.

Steinkreuz am Camino nach Sarsamarcuellos

Ruht Eure Füße und Beine aus, holt nochmals tief Luft und esst gut. Denn die nächste Herberge ist erst wieder in Ena. Und von Sarsamarcuellos aus sind es 25 km, die „sich gewaschen“ haben. Wir hatten von Mundicamino folgendes

Wegprofil der Strecke Aniés – Estación St. María y Peña

Sieht nach einem gemütlichen Weg aus, oder? Doch das Profil trügt, wie Ihr später sehen werdet, das hat jemand am Schreibtisch gebastelt anhand der drei Orte und ihren Höhenangaben. Was dazwischen kam, das hat er vergessen.

Hochmotiviert liefen wir also die 4 km weiter nach Sarsamarcuellos. Da der nächste Ort hinter Sarsamarcuellos 14 km weit weg war, mussten wir hier dringend Wasser nachtanken. Der Brunnen ist eigentlich ein überdachtes Waschhaus mit Picknickplatz und Grill und – welche Gnade – mit einem ausgezeichneten frischen Wasser.

Waschhaus von Sarsamarcuellos

Erst kam ein älterer Mann vorbei, um seine Wasserflasche aufzufüllen. Später lernten wir dort eine ältere Spanierin kennen, die uns viel über ihr Dorf erzählt. Jetzt wäre in Sarsamurallas nicht mehr viele los, alle jungen Leute, so auch ihre Kinder, zögen mindestens nach Huesca oder noch weiter. Sie fragt Santiago nach seiner Herkunft, sie vermutet, er ist Peruaner. Stolz berichtet sie uns, dass sie lange in ihrem Leben in einer Folklore-Tanzgruppe tanzte und mit ihrer Tanzgruppe auch schon nach Ecuador und Peru gereist war. Solche Momente gehören für mich zum Schönsten beim Pilgern: Ein kleiner Blick in ein Leben an einem fremden Ort, ein Mensch, der für einen Fremden Zeit hat und Wärme schenkt. Eindrucksvoll nicht nur das Land, sondern auch die Menschen! Lernt Spanisch, Ihr Pilger, und Eure Reise bekommt ganz neue Facetten.

Der ewig fließende Brunnen von Sarsamarcuellos

Direkt nach Sarsamurallas kommt ein gewaltiger Aufstieg, ganz im Gegensatz zu dem Streckenprofil. Wir müssen zunächst richtig klettern!

Genau! Da hinauf zum Wegweiser führt der Camino und nach links weiter bergauf

 Nein, jetzt geht es erst richtig los. Wir kommen weit nach oben in die Pyrenaeen, nach ca. zu einer alten Burgruine names Castillo de Marcuello mit einer grandiosen Aussicht weit ins Land. Wir waren jetzt schon über 1000 Meter und sahen den Ausblick der Geier – Mirador de los Vuitres. Die Geier kreisen auch fröhlich ueber uns. Wir sind aber noch frisch, die kriegten uns nicht. Und nun lasse ich einfach die Bilder des Weges sprechen:

Noch ein Blick zurück in die Ebene - das Glück im Herzen kann man sehen, oder?

Piste bergauf, im Hintergrund schon das Castillo de Marcuello

Santiago - Der König der Berge

Schon weit oben, aus der Ebene da unten kamen wir heute!

Steile Felsen, vor denen die Geier kreisten

Einfach mal das Panorama genießen...

Die Ruinen des Castillo de Marcuello mit Peregrino

Zweite Perspektive des Castillo de Marcuello

Begeisterter Peregrino

Nach einem grandiosen Aufstieg folgte ein gnadenloser Abstieg, ein Fusskiller par exelence. Übersäht mit grossen , scharfkantigen oder spitzen Steinen und steil führte der Weg nun nach Estación St. María y Peña. Auch hier lasst Euch von den Bildern bezaubern. Und dann überlegt mal, wie es sein könnte, wenn Ihr direkt dort seid – llenos somos de grácia! 

10 km Abstieg: Serpentinen, Hitze, kaum Schatten

In die Schlucht dahinten geht es...

Den Weg kann man schon erkennen

Unterwegs begegnete uns eine Familie mit zwei kleinen Jungs. Wir waren voller Bewunderung für diese Eltern, die die Jungs so weit zum Wandern bringen und unsere Bewunderung stieg mit jedem Kilometer, den wir weiter absteigen -und das waren nicht wenige. Noch mehr Bewunderung: Das muessen aber auch Super-Kids sein! Ich hoffe, sie sind heil wieder zurück gekommen, wir haben immer wieder an sie gedacht.

Die Schlucht von Escalete

Zwei Stunden später und 8 km weiter. Wir kletterten durch eine Bilderbuchschlucht immer weiter bergab, die den Blick ins Tal freigibt, ja, hier geht es auch durch eine enge Pforte.

Paso de Escalete: näher dran

Paso de Escalete: und noch näher

Völlig erledigt und mit heftigen Fusschmerzen kamen wir in Estación St. María y Peña an. Heute würde es hier ein Fest geben, das sah man deutlich, es war überall mit Fähnchen geschmückt. Es wäre die Fiesta del Salvador.

Wir fanden eine offene Bar, jedoch keinerlei Herberge, das erfuhren wir in der Bar.  Die Frau hinterm Tresen schickte uns nach Ena weiter, noch 10 km bergauf. Für Pilger gab es hier unten gar nichts Wir trafen durch Zufall den Bäcker und seine Frau noch an, daher gab es noch einen Laib Brot fuer uns. Auch sie wussten nichts, schickten uns nach Triste (=traurig), da gabe es vielleicht ein paar verlassene Häuser, wo wir unterkommen könnten. Also brachen wir auf in Richtung der Straße nach Triste und Ena. Meine Füße machten mich um ein Wunder bitten und ich sang wieder: „El Señor nos hace maravillas! Gloria al Señor!“ Kurz darauf hielt das Auto des Bäckers neben uns. Sie rieten uns nun, im Bahnhofsgebäude zu schlafen.  Wir liefen wieder zurück, fanden aber nur den offenen Warteraum, der Rest des Gebäudes ist abgeschlossen oder bewohnt. Der letzte Zug fuhr um 18.55 Uhr, danach räumten wir auf und legten wir uns hin und schliefen ganz schnell ein nach diesem heftigen, aber umwerfenden und landschaftlich spektakulaeren Tag! Gefeiert wurde ohne uns, wir wollten uns nicht mehr rühren – schade, aber war so! Mitten in der Nacht hörten wir noch Böller: Gloria al Salvador!

Also: Fuer alle, die bald den Camino Catalán laufen:

Hinter Sarsamarcuellos geht es richtig die Berge hoch, auf über 1000 Meter und erst anschließend bergab. Und hinter Estación geht es nochmals 10 km wieder bergauf. Falls Ihr in Bolea übernachtet, schaut Euch gemütlich das Schloss von Loarre an und übernachtet nochmals in Sarsamarcuello in der Herberge, damit Ihr den Weg und die 25 km bis Ena schafft. Da habt Ihr am meisten davon. Nicht jeder will ja im Warteraum des Bahnhofs schlafen!

Die folgenden Link zu einer Bildergalerie hatte ich zwischenzeitlich, bevor ich meine eigenen Bilder geladen hatte, als Beispiel drin. Ich lasse sie jetzt drin. Wer sie sich ansehen will, es ist ein Fotobericht eines Bicigrinos, der im Frühjahr die Strecke gemacht hat. Schöne Bilder!

http://www.gronze.com/camino-de-santiago/galeria-de-fotos/camino-catalan-huesca-jaca-7.htm

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