30.07.2010 Cervera – Linyola (34 km)

Wir passieren die Plaza Mayor mit Ajuntamiento und Kirche St. María in der frühen Morgensonne

Wir waren wirklich schnell mit dem Aufstehen und verlassen Cervera. Als wir auf dem Weg hinaus aus der Stadt beim Convento vorbeikommen, da schüttelte ich den Staub von meinen Schuhen…

Aktuelle Stimmungslage bei uns? Dieses Bild sagt es: Cervera – NEIN DANKE!

Doch der Camino versöhnt uns sehr schnell wieder, trotz kurzer Nacht können wir kraftvoll ausschreiten und es geht gut voran. Heute ist der Tag, an dem wir das gemeinsame Stück Camino zwischen dem Camino Catalán über Zaragossa und dem Camino Catalán über Huesca verlassen werden. Nahe dem Fluss Ondara verläuft der Weg, an der Seite immer mal wieder kleine Pueblecitos, Örtchen, doch bis El Talladell gibt es ansonsten nur erfreuliche Natur: Ein paar Impressionen…

Camino vor Tárrega: Peregrinos, macht Lauflust, oder?

Oben Himmel, unten Weg, Morgenstunde – beste Pilgerzeit!

Friedhof am Wegesrand

Die Friedhöfe liegen in Spanien meist ein Stück weg vom Ort und sind wie hier ummauert. Ich freute mich immer wieder über die Oleanderpflanzen am Wegesrand. Ja, hier sind wir noch nahe am Mittelmeer, diese Vegetation habe ich immer gemocht. In Talladell habe ich ein dringendes Bedürfnis. Santiago fragt einfach bei einer Frau nach, die gerade aus ihrer Haustür tritt und ja – ich darf ihre Toilette benutzen. Wie erleichternd – danke schön!

Ein kleiner Exkurs: Worüber redet man beim Pilgern?

  • 30 % der Zeit geht es um Körper und Körperfunktionen, Hunger, Durst, Verdauung, „Wo gibt’s hier ein Klo?“, „Wo ist der nächste Brunnen?“, Füße, Beine, Schmerzen, Blasen etc., „Wann gibt’s Frühstück?“,  Wo/was kaufen wir ein?“, „Wann machen wir Pause oder Siesta?“ „Wo ist Schatten?“, „Wo kann ich mich mal frisch machen?“
  • 20 % der Zeit geht es um wohin, wo lang, wie weit, wo ist der Pfeil, bleiben wir oder bleiben wir nicht, wo ist die Herberge, wann sind wir endlich da
  • 10 % der Zeit geht es um „Wie schön!“, „Schau mal!“, Ausblicke, Fotomotive
  • 10 % der Zeit muss man sich einigen und divergierende Bedürfnisse unter einen Hut bringen und nur
  • 30 % geht es um wirkliche Gespräche, Sinnvolles, Konstruktives,  Gefühls- und Gedankenaustausch, Diskussion, Gebete

Ja, es ist so, der Körper tritt sehr in den Vordergrund beim Pilgern. Und hier nehme ich mal die Pilger unter Euch ein wenig beiseite für ein Wort im Stillen, was wenige ansprechen, der aber für das Wohlfühlen unterwegs sehr wichtig ist. Wir hatten immer eine kleine Wasserflasche dabei, der Santiago den romantischen Namen: „Das Kackfläschchen“ gegeben hat.  Das Kackfläschchen wird entweder morgens oder vor dem Toilettengang gefüllt. Nach der Sitzung duscht man sich die Ausscheidungsorgane ab und ist wieder frisch und neu. Sonst mischen sich irgendwann Schweiß und Verdauungsreste und alles klebt, die Klamotten werden schmutzig, und man fühlt sich unwohl, beginnt zu riechen. Vor allem für Frauen zu bestimmten Zeiten sehr, sehr angenehm. Nur mal so am Rande…

Die Frau brachte uns noch an einer Tür vorbei und klingelte, wo eine Frau wohnt, die hier in Talladell die Credenziale stempelt. Diese ging mit uns einen Steigung  hinauf und schloss die „Bar Social“ auf. Das gibt es viel in kleineren Orten, ein Ort, wo man sich treffen kann, meist, wenn es in dem Ort nichge genügend „Masse“ gibt, wo es für jemanden kommerziell interessant ist, eine Bar zu öffnen. Jetzt konnte auch Santiago die Toilette besuchen und wir hatten unseren ersten Stempel des Tages. Wir bedankten uns. Oberhalb der Bar befand sich der Brunnen auf einem Platz mit Bänken. Kein Mensch war hier. Daher nutzten wir die gute Gelegenheit, um uns zu waschen, uns frisch zu machen und die Zähne zu putzen. So bleibt man auch sauber, wenn man keine Herberge hat.

Am Brunnen von Talladell

An einer Häuserwand in Tárrega: Pilgergruss für alle Bicigrinos = Fahrradpilger

Altstadt von Tárrega

So schulterten wir wieder unsere Rucksäcke, um die zwei Kilometerchen noch nach Tárrega zu laufen. Am Ortseingang sehen wir den Pilgergruß für Radpilger. Ultreia heißt vorwärts, Suseia heißt aufwärts. Tárrega hat eine sehr schöne Altstadt mit kleinen Gäßchen und eine Burg. Auf der Plaza Mayor stehen wir vor einer beeindruckenden Kirche, sie heißt St. María de l’Alba. Ich schaute wieder, ob die Kirche offen ist – alles abgeschlossen, von vorn wie von der Seite.  Wir liefen weiter, doch eine Frau rief uns zurueck. Eine Seitentuer auf der anderen Seite war  noch offen, es wurden gerade Blumen angeliefert. Das Innere der Kirche wirft uns um. Vor allem eine Kapelle der Frauen links neben dem Hauptaltar ist sehr ungewoehnlich ausgemalt, mit starken Rottönen auf eine moderne, wie einfache, klare und berührende Art. Anschauen gehen!

Herzöffnerin St. María

Die Engel von St. María

Der Altar ist ganz romantisch, eine im Dunkel sanft beleuchtete María. Wir trafen auf einen Mann, den wir fragen, ob er uns die Credenziale stempelt. Er bittet uns ins Gemeindebüro im Nebenhaus. Wieder ein Erinnerung an einen besonderen Platz. Dadurch ist allerdings der Kirchenbesuch auch schneller als erhofft beendet. Auf dem Weg aus Tárrega merkten wir gerade noch rechtzeitig vor dem Ortsausgang, dass wir uns ja um den Abzweig nach Huesca kümmern mussten und nicht einfach den Pfeilen hinterhertrotten sollten. Nach Zaragossa wollten wir dieses Jahr ja nicht. Aber so kamen wir an einem Bild vorbei, das uns beeindruckte:

Monatliches Mindestlohn der Spanier: 512,80 Euro

Also: Lionel Messi vom FC Barcelona erhält im Jahr 8,4 Mio. Euro, Cristiano Ronaldo von Real Madrid kriegt 13 Mio. Euro, der monatliche Mindestlohn beträgt im Monat 512,80 Euro. Das sollte für uns für die Erlebnisse des Tages noch wichtig werden – wie man so geführt wird…

Wir orientierten uns nun aufgrund der Wegbeschreibung am Bahnhof und fanden tatsächlich unsere Pfeile wieder. Jetzt waren wir wieder richtig, wie wir es auf der Karte am Wegesrand erkennen konten.

Zwei Wege führen von Tárrega nach Santiago…wir nehmen den oberen

Camino hinter Tárrega – Weites Land voraus!

Bewässerungsrinnen in den Feldern und Plantagen

Hinter Tarrega ist es zunächst sehr trocken, viel Horizont und Felder, ein paar Bäume, das Land liegt weit vor uns. Es ist schon sehr heiß. Doch wie ein Lokomotive ziehen wir weiter, nach zwei Stunden hat der Bewuchs völlig gewechselt. Ein paar Kilometer hinter Tárrega kreuzten wir zum 1. Mal den Canal de Urgell. Uns faszinierte das. So viel klares Wasser, so eine schnelle Strömung, was hier unter uns hindurchfloss. Nun führte uns der Weg weiter in die Landwirtschaft: Obstbaeume, Maisfelder, Viñeros. Wasser wurde nun total präsent. Oft hörten wir das Wasser neben uns in den Rinnen plätschern, einmal nutzten wir ein Wasserloch, um uns abzukühlen.

Offene Bodenbewässerung durch Überschwemmung

Die Obstplantagen wurden von unten bewässert, d.h. der Boden unter den Baumreihen wurden einfach immer wieder mal unter Wasser gesetzt.  Wir sahen auf den Feldern wenig Menschen, und wenn, dann fast nur Schwarze. Wir unterhielten uns lange ueber die Lebensbedingungen der Feldarbeiter, stellten Mutmaßungen an, wie sie leben. So weit weg von ihren Familien! Santiago erzählte von Latinos, die sich auch als Feldarbeiter in Spanien verdingen, die wenig Geld haben, aber das auch noch an ihre Familien in Ecuador schickten, über die Einsamkeit dieser Menschen. Er hatte diese Einsamkeit damals sehr gefühlt, als er nach Europa gekommen war. Doch wenn der Mindestlohn der Spanier 512 Euro im Monat ist, was mochten dann diese Menschen bekommen? Es war Zeit der Siesta, unsere spanischen Freunde waren wahrscheinlich auch gerade in der Horizontalen, wie wir im verschlafenen Tournabous feststellten.

Pilgerpause im Schatten auf der Plaza Mayor

Alles ist still, nur ein paar junge Männer kurven in einnem Lieferwagen durch das Dorf und suchen den Friedhof. Wir kamen auf dem Camino dran vorbei und konnten ihnen so  den Weg weisen. Wir durchquerten weiter Apfelplantagen, Birnenplantagen, Maisfelder, alles auf dem Wege der Reifung, aber noch nicht eßbar.

Irgendwann am frühen Nachmittag  kamen wir an einem Schwimmbad vorbei. Das wäre jetzt das Richtige für uns bei der Hitze. Ich fragte den Jungen an der Bar: „Wir sind Pilger und wollen nur mal 5 Minuten ins Wasser. Dürfen wir?“ „Venga!“ sagt er, „Vorwärts!“ Wir ziehen uns schnell um und springen ins Wasser. Was ist das für eine Wohltat! Ein Genuss! Allerdings tun die Füße weh, als würden sie gleich zerspringen. Viel zu schnell vergehen unsere 5 Minuten, aber wir halten uns dran, steigen wieder hinaus und ziehen uns um. Wir strahlten und bedankten uns bei dem jungen Mann. Das war so mit das Beste, was man als Pilger an einem solchen Tag erleben kann. Danke dafür! Doch weiter, bis Linyola, dem nächsten Ort mit Herberge sind es noch 10 km, das will alles gelaufen sein, also nochmal ca. 2 1/2 Stunden.

Schnurstracks durch die Weingärten von Castell del Remei

Castell del Remei in der Abendsonne

Gen Abend durchquerten wir sogar Weinfelder. Wir sahen unterwegs schon Schilder, die uns auf die Weinkellerei Castell del Remei hinweisen. Das ist wirklich ein schönes Fleckchen Erde! Auf dem riesigen Gelände befindet sich ein schlossartiges Gebäude mit einigen Nebenhäusern, z.B. einem Laden. Es laufen Trauerschwäne herum, für die es auch einen Teich gibt. Ergänzt wird das Esemble durch eine Kapelle. Ich versuchte, die Tür der Kapelle zu öffnen, aber sie ist verschlossen. Doch plötzlich machte mir doch jemand von innen auf. Restaurateure arbeiteten hier und wir durften hinein und schauen. Es war eine Marienkapelle. Der Altar zeigte eine Marienfigur, dahinter wunderschöne Engel gemeinsam mit Menschen in heutiger Kleidung.  Hier ein Bild aus dem Internet von der Webseite von Castell del Remei.  An den Seiten befinden sich Bilder, die die freudenreichen Geheimnisse des Rosenkranzes zeigen. Mir hat das Bild der Ankündigung am besten gefallen, ein schöner Engel, oder?

Der Engel spricht: Dios te salve, María, llena eres de grácia…

Ach, es ist wieder so schwer, sich loszueisen aus dieser schönen Kapelle, aber wir konnten hier auch nicht übernachten. Über die Felder ging es weiter nach Linyola. Als wir im Ort eintreffen, ist schon das Abendleben in vollem Gange. Die Menschen sitzen oder Spazieren auf den Straßen. Ein Gruppe entgegenkommender Frauen fragten wir nach der Herberge und sie wiesen uns ausführlich den Weg, fragen uns nach dem Woher? und Wohin? Wir fanden auch das Haus, das sie uns beschrieben hatten, doch auf unser Klingeln hin öffnete uns niemand. Nebenan war ein Supermarkt. Abends hatte ich immer ein Riesendurst, alles was ich essen könnte, das könnte ich auch trinken. Also besorgte ich uns etwas. An der Kasse musste ich etwas warten, da die Verkäuferin war noch mit anderen Kunden an der Theke beschäftigt war. Mir taten die  Füße so weh, ich konnte nicht mehr stehen, so dass ich mich auf eine leere Stufe im Laden setzte.

Als die Verkäuferin kam und ich  bezahlte, fragte ich sie nach der Herberge, wie wir das finden würden. Sie sagte, die Floristin von Linyola wäre die Tochter des Hospitaleros, sie würde ihren Vater schon finden. Ihr Laden wäre rechts die Straße runter und um die Ecke. Wir also rechts die Straße runter, da kam uns eine Frau entgegen und sprach uns an. Sie war die Tochter. Man hatte sie schon aus dem Supermarkt angerufen und sie hatte schon ihren Vater auf dem Handy angerufen, der in unserem Beisein auch prompt zurückrief. Wir liefen auf das Haus wieder zu und Josep Caba erschien. Er nahm uns mit in ein Büro und stempelte unsere Credenciale. Dann nahm er uns mit zu einem anderen Haus zwei Straßen weiter.  Josep sagte uns, dass er immer dann Pilger aufnimmt, wenn er genug Platz hat, denn sonst sind die Betten mit Temporarios belegt, Feldarbeitern auf Zeit. Heute hätten wir Glück, es gab noch freie Betten, aber morgen kämen 7 Temporarios zu ihm nach Linyola, da wäre alles voll gewesen. Josep Caba erzählte uns, dass er selbst schon gepilgert sei und er so davon begeistert war, dass er jetzt immer selbst Pilger aufnähme. Nach der schrägen Nacht in Cervera waren wir so froh, einen Schlafplatz zu haben, an dem wir uns sicher und erwünscht fühlen konnten, und ich dachte mir: Was das Pilgern so mit den Menschen macht!

Von außen sah das Haus aus wie ein ganz normales Wohnhaus. Er zeigte uns zuerst das Bad, das von außen begehbar war, ein Waschbecken, eine Toilette, Putzmittel, dann eine gestrichene Wand, dahinter die Dusche. Wir gingen ins Haus. Das sah jetzt nicht wie eine Herberge aus. Im Erdgeschoss lagen auf dem Betonboden Teile von Metallbetten und einige Matratzen herum, ansonsten Gartengeräte, ein paar Schläuche, etwas Schrott, ein paar Kisten. In der Mitte der Decke war ein Loch und eine Metalltreppe führte in den ersten Stock. Er rief nach jemandem. Ein Schwarzer schaute zu uns nach unten und Josep sagte ihm, dass wir heute auch dort übernachten würden. Dann schickte er uns zu ihm hinauf, damit wir uns ein Bett suchen und wünschte uns einen guten Aufenthalt und verschwand. Als wir oben ankamen, da sahen wir, wie die schwarzen Feldarbeiter hier so leben. Ich stelle jetzt einfach mal die Fotos rein, damit ihr Euch selbst einen Eindruck machen könnt.

Acogida de Peregrinos in Linyola: Santiago ist froh, ein Bett zu haben!

Mein Bett in Linyola

Und hier schlafen die Temporarios

Ich frage den Schwarzen wie er heißt und woher er kommt. Silas kommt aus Senegal und er ist knapp 20 Jahre. Er lebt jeden Tag so. Und das ist das, was mich an diesem Abend am meisten bewegte.  Wir hatten in Cervera keine gute Nacht gehabt und waren daher heilfroh und wirklich dankbar, hier untergekommen zu sein. Ich kenne einige Pilger, die wären gleich wieder umgedreht und woanders hingegangen. Nein, wir können auch dies annehmen.

Aber mein Herz tut mir weh, wenn ich sehe, dass dies das Leben eines Menschen ist, denn wir sind morgen wieder weg. Ich bin mir sicher, dass es Silas zunächst auch heilfroh und dankbar angenommen hat, hier zu sein, eine Arbeit zu haben, sicher schlafen zu können, eine Küche zu haben, seine Existenz zu sichern. Bestimmt bekommt er NICHT den spanischen Mindestlohn. Doch er ist so jung, er ist religiös. Während Santiago duschte, beobachtete ich ihn, wie er seinen Gebetsteppich hervorzieht und sein Gebet vollzieht, auch morgens noch einmal. Vermisst er seine Heimat, seine Religionsgemeinschaft? Er ist bestimmt freiwillig gekommen, doch ist es immer noch eine gute Sache für ihn?  Bestimmt sehnt er sich nach seiner oder einer Familie, er sieht sein Leben und er sieht das Leben der anderen  Menschen um ihn herum, er sieht den deutlichen Unterschied. Und erst denke ich an Josep Caba, der vorn so menschenfreundlich ist und dann uns faktisch diese andere Seite der Medaille zeigt.

Doch dann entdecke ich innerlich, dass wir selbst – mal wieder – direkt hinter ihm stehen. Wir selbst wollen ja billig Obst und Gemüse aus Spanien kaufen. Das lässt sich wahrscheinlich nicht mit Spaniern produzieren, die den Mindestlohn erhalten. Und so frage ich mich: Wie kann ich, wie können wir unseren Konsum verändern, damit hier die Menschenwürde, würdiges Leben wieder hergestellt wird. Und ich sehe einen langen Schweif an Schuld und Zerstörung, die wir Europäer in Afrika und Südamerika hinterlassen haben durch die Zeit der Kolonialisierung und der wirtschaftlichen Ausbeutung dieser Kontinente und es setzt sich weiter fort in unserem Streben nach Exportüberschuss, was ja auch nur heißt, dass wir ihr Geld wollen… Wir Europäer haben für dieses System gesorgt, es liegt an uns, es zu beseitigen. Wie? Weiß ich jetzt natürlich nicht. Aber dafür beten werde ich… und versuchen, Bewusstsein zu schaffen, erst mal bei mir und dann bei Anderen.

…inzwischen weiß ich ein wenig mehr, und hier ist eine gute theologische Grundlage dafür: http://www.befreiungstheologie.eu. Und dass ich mich nicht täusche in meinem Gefühl, dass das ganz krass ist, was wir tun bzw. tolerieren, das kann man hier lesen: http://www.fluter.de/de/85/heft/8226…   Oder hier. Oder hier.

Und das ist das besondere beim Pilgern. Situationen, Konzepte, von denen wir wohl entfernt gehört haben, bekommen plötzlich ein Gesicht, sind fühlbar, unvergesslich, nicht mehr zu verdrängen. Durch dieses Gewahrwerden am eigenen Leibe verschieben sich Prioritäten, Denk- und Handlungsweisen im eigenen Leben. Wir erkennen, wo wir in der Reihe des Geschehens stehen und was wir selbst tun können, damit diese Welt gerechter wird. Das passiert nicht, wenn wir uns aus allem herauskaufen (können). Es geht nicht darum, uns nur selbst zu retten, sondern unser Bewusstsein und das System zu verändern, egal, wie klein unser Beitrag sein kann. Indem ich Silas aus Senegal gleich wurde, erkannte ich in Josep Caba mich selbst.

Wir leerten noch eine Rolle Kekse – Marías – und waren kurz danach eingeschlafen. 13 Stunden unterwegs, diese Hitze, die so kurze vorherige Nacht, mein Haut-Tralala – mehr war nicht drin.

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