28.07.2010 Montserrat – Jorba

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, da war mir klar, was ich gestern in der Kirche für ein Tier mir aus den Haaren gepflückt hatte: Es WAR eine Bettwanze gewesen. Allerdings hatte der Rest ihrer Familie auf die Messe verzichtet und war in meinem Bett geblieben, um da auf ihr Abendmahl zu warten. Und das Abendmahl war ich gewesen. Ich war völlig zerstochen. DAS hatte ich in Montserrat nicht erwartet. Wir packten unsere Sachen und zogen los, gaben den Schlüssel an der Rezeption des Hotels ab. Schade, das Centre de Coordinació Pastorál war noch zu, es war ja schließlich erst 7 Uhr. Wir konnten nicht Bescheid sagen. Wir würden es von der nächsten Herberge tun.

Karte des Camino Catalán

Der Aussichtsbalkon von Montserrat

Wir fanden auf unserem Wege Karten des Camino Catalán, hier war er ganz präsent. Wir entdeckten, wir hätten auch in Girona loslaufen können, aber das hätte noch ein paar Tage länger gedauert. Wir passierten das Restaurant- und Konferenzgebäude „Mirador de los Apóstoles“ und den Aussichtsbalkon, den wir gestern als erstes Zeichen von Montserrat beim Aufstieg entdeckt hatten. Die zugehörige Aussicht im sanften Morgenlicht und Frühtau gefällig? Bitteschön!

Vom Aussichtspunkt der Apostel....morgendlicher Blick von Montserrat

Am Ende des Klostergelände erreichten wir einen fantastisch zu laufenden Weg, der hier den Namen „Cami dels Degotalls“ trägt. Auf sanftem Boden schritten wir leicht abwärts, abwechslungsreiche mediterrane Vegetation mit ihrem so ganz eigenen Düften.

Angenehmer geht es kaum für den Pilger: Cami dels Degotalls

Rechts und links vom Weg gab es ganz viele Marienbilder, Stiftungen unterschiedlichster Dörfer, hier eine kleine Auswahl davon. Die „Verge de Montserrat“ ist vielen, vielen Menschen sehr wichtig. Ich lese später, dass in der Franco-Ära in Montserrat viele Verfolgte unterkamen, deswegen aber auch Mönche getötet wurden. Zusätzlich war Montserrat ein wichtiger Ort in dieser Zeit, um die katalanische Sprache zu bewahren. In dieser Zeit wurden hier weiterhin Messen in Katalan gehalten und Bücher bewahrt. Kein Wunder, wenn die Menschen diesem Ort dankbar sind.

Marienverehrung am Camí dels Desgotalls

Jeder Wegabschnitt hat einmal ein Ende und so verließen wir durch ein Gartentor diesen wunderschönen Weg. Auch wer nur mal nach Montserrat fährt, dieses Stück „Himmlisch laufen“ sollte man sich nicht entgehen lassen…

Hier gehts lang: Am Ausgang des Pilgerparadieses

Ein Stück geht es bergab, dann landen wir auf der Carretera (Landstraße) und da bleiben wir. Sie ist leer, kaum Verkehr zum Glück. Die fantastischen Felsformationen begleiten uns weiter, doch Carretera ist nunmal Carretera. Zwischendurch gibt es auch links von der Straße Wege, die abseits der Landstraße verlaufen. Wir probieren sie, doch wir flüchten auch bald wieder. Diese Wege sind eng, schlecht gepflegt, denn man kriegt ständig von den Zweigen und Gebüschen quer ins Gesicht, die Beine werden völlig zerkratzt, das tut manchmal richtig weh und es geht ständig auf und ab. Es ist ja nett, das sie das auch markiert haben. Was nimmt man nun? Ich gebe auf und streiche die Segel und klettere zurück zur Landstraße. Da wir noch bis Jorba wollten, eben doch die Carretera.


Am Kloster St. Bento gibt es einen Friedensgruß, aber es liegt nicht am Camino

Irgendwann mal führen gelbe Zeichen von der Landstraße rechts nach unten. Wer immer da lang kommt: Das ist falsch! Nicht runtergehen!  Man landet bei dem Kloster St. Bento, was man so schön von oben sieht, aber es nützt nichts.  Als wir am Kloster ankamen, stieg gerade ein Padre aus einem ankommenden Auto, da flitzten wir hinterher und riefen wir schnell, bevor er im Gebäude verschwand, um Wegauskunft zu bekommen. Ja, wir sind völlig verkehrt, nach Igualada müssen wir ganz wieder zur Carretera zurück. Eine Stunde mal eben so im Müll, wir hatten den Weg mit den gelb-weißen Markierungen irgendeines Pequeño Recorridos verwechselt. Manchmal ist die Markierung auch sehr wirr. Schaut Euch das mal an: In welche Richtung würdet Ihr gehen?

Vielpfeilt! Was jetzt? Links oder Rechts, oder oben?

Ein Stück weiter ging es am Kloster St. Cecilia vorbei. Wir betreten die Kirche, die sehr feucht und mit Efeu vollgewachsen ist. Gern hätten wir jetzt ein Frühstück gehabt, aber: keiner da! Nach 9 km ist die Landstraße vorbei wir kommen wieder ins Grüne. Wir freuten uns, doch kurz darauf standen wir hier:

Wo war jetzt gleich meine Leiter???

Da steht man nun so plötzlich – und fragt sich: Geht’s noch? Mühsam erklomm ich Stufe für Stufe, irgendwo sind immer ein paar Steine, die einem auf das nächste Niveau helfen. Doch die Mühe lohnt sich, denn wir gelangten auf einen ruhigen, grünen Höhenweg mit vollendeter Fernsicht. Santiago lief vom Weg inspiriert weit voraus, also keine Pause.

Belohnung - ein wunderbarer, fernsichtiger Höhenweg nach dem Aufstieg

Ich traf ihn erst auf einer Bank im Schatten der Kirche von St. Pau de la Guardia. Wir hatten beide ob des fehlenden Frühstücks Hunger und so betraten wir den Patio der Casa Rural de Celler de la Guardia und leisten uns eine Einkehr. Mal darf man! Und um halb zwölf ist es höchst Zeit! Es gab keine Bocadillos, dafür Tostadas. Sieht das nicht toll aus? Ich schwärme für Serrano Schinken:

Tostado con Jamón Serrano

Wir erholen uns im Schatten des Patios, schwatzten ein wenig mit der Kellnerin und sie macht ein Foto von uns: Der Cellar hatte gestern aufgemacht! Und: viele Pilger kommen hier nicht vorbei, einige wenige pro Woche. Trotzdem gibt es Pilgerrabatt. Dankbar freue ich mich sogar noch über einen Kaffee, bevor wir wieder aufbrechen. Doch dies war eine sehr angenehme und erholsame Pause! Danke dafür!

Uns geht's gut in St. Pau de la Guardia ...

Nachdem wir den kleinen Ort St. Pau durchquert haben, erreichen wir nach ein paar fußfreundlichen Wegen bald die Autobahn A2, in deren Nähe es weiter vorangeht bis nach Castelloli, durchqueren ein paar Straßen mit niedrigen Häuserreihen. In der Apotheke fragten wir nach einem Supermarkt, gab es aber nicht. So blieb uns nur, unsere Wasserflaschen am Brunnen aufzufüllen, zum Glück schmeckte es einigermaßen gut. Am Ortsausgang sehen wir einen parkenden PKW mit laufendem Motor, der Fahrer schläft hinterm Steuer – Siesta – um diese Uhrzeit geht hier nichts. Sonst alles ausgestorben. Wir stellten uns vor, Spanien führt Krieg, und um 14.00 sagen alle Spanier zu ihren Gegnern: „So Jungs, wir machen jetzt Siesta, das ist uns sonst zu heiß hier. Ab fünf Uhr sind wir dann wieder dabei, macht solange, was ihr wollt!“

Wir hatten ab diesem Auto große Schwierigkeiten, unseren Weg zu finden. Wir sahen zwar gelbe Striche, so richtig Pfeile waren das nicht, Pfeile gab es gar nicht! Wir folgten den gelben Strichen, die später auch wieder in die gelb-weißen Markierungen des Pequeño Recorrido übergehen. Hinter einer Brücke, an deren Brückenpfeiler noch eine Markierung prangte, ging es nicht mehr weiter. Es gab zwei Wege, an dem einen fanden wir das gelb-weiße Kreuz, was bedeutet „Dies ist nicht der richtige Weg!“ Es gab aber keinen richtigen Weg, sondern es gab nur noch eine riesige, betagte Villa, vor der einige Autos standen. 

...wo sich die ganze Welt verirrt...

Aus einer sehr kleinen Quelle fließt ein kleiner Wasserstrahl...allerdings sehr leckeres, frisches Wasser!

Überall lag Kinderspielzeug und aus einem Fenster hörten wir Kinderlachen und die Laute einer fröhlichen Mahlzeit. Wir riefen laut, um Wegehilfe zu erhalten. Eine Frau trat ans Fenster und mehrere Kinder unterschiedlicher Hautfarbe sprangen zu uns in den Hof. Wir fragten, wieder Weg hier weiter ginge und die Frau sagte uns einen bemerkenswerten Satz: „No hay camino aquí. Pero – todo el mundo se pierde aquí!“ Das bedeutet: Hier gibt es keinen Weg, aber – die ganze Welt verirrt sich hier!“ Sie bot uns Wasser an und hieß die Kinder, uns durch eine Unterführung in einen langen, alten Garten unter hohen Bäumen zur Quelle zu führen. Noch hinter dem Gartenzaun im Schilf eines schmalen Baches befand sich eine kleine Quelle mit einem schwachen Strahl Wasser. Das Wasser war sehr klar und schmeckte ausgezeichnet und frisch. Wir füllten unsere Flaschen, was eine Weile dauerte. Die Kinder wuselten um uns herum. Die Frau rief eines der Kinder und dies brachte uns zwei große, reife Pfirsiche als weiteres Geschenk für den Pilger. Dann sollten die Kinder wieder ins Haus zurück – das Mittagessen fortsetzen. Wir bedankten uns herzlich – und blieben noch ein Weilchen in diesem großen, kühlen, fast verwunschen wirkenden Garten, setzten uns auf eine Steinbank und genossen unsere saftigen Pfirsiche. Pilgerdasein … unerwartete Geschenke von freundlichen Menschen, unerwartete Situationen, unerwartete Einsichten, unerwartete Gleichnisse …

Der alte Garten mit der Quelle an seinem Ende…

Schon zum zweiten Mal verlaufen heute. Das erste Mal zum Kloster, nun zu diesem alten, großen Haus. Wir kehrten um. Nachdenklich lief ich weiter. Dies war ein Bild für mich, ein Gleichnis… Die gelbe Farbe markiert den wahren, den heiligen Weg, doch der gelbweiße führte immer wieder weg vom Weg. Jemand Anderes gab eine weitere Farbe dazu, darüber, es wurde der „kleine Weg“ daraus, vielleicht auch, weil man mit uns nun mal nicht mehr hinkriegt!? Und am Ende des Weges gab es immer die Situation, dass es nicht weiter ging. Der Ort an sich war schön, doch er war nicht das Ziel, weder das Kloster noch die Villa. Doch „Die ganze Welt verirrt sich hier!“  An seinem Ende ein spärlicher Wasserstrahl, eine kleine, wenn auch frische Quelle. Mir kommt dieses Gleichnis vor als Bild, wie heute die christliche Religion gelebt wird: Dem heiligen Weg wird eine eigene Farbe hinzugefügt, eigene Eigenschaften. Dadurch führt der Weg in Sackgassen, wo es nicht weiter geht, ins Kloster, in große Häuser. Zwar enthält der Weg noch frisches Wasser, doch es fließt nur spärlich. Der Pilger muss umkehren, um wieder auf den wahren heiligen Weg zurückzufinden, er muss die Sackgassen verlassen und die Mühe erneut auf sich nehmen. Das große Heil ist hier nicht zu erwarten, das kleine durchaus schon. Ja, die christliche Religion wird nicht gelebt, wie sie von Jesus vorgegeben wurde. Weder Kloster noch Reichtum sind der Weg, sie sind Sackgassen. Das Weiße, das Hinzugefügte, das könnte z.B. das Kirchenrecht sein, die Hierarchien der Kirche, das Zölibat, die Pracht der Kirchen, für die in Spanien z.B. der Lateinamerikanische Kontinent ausgeplündert wurde, während die dortigen Menschen der Armut überlassen wurden. Der Pilgerweg ist der Weg der Bescheidenheit und der Beschränkung auf das Notwendige, damit eine weite Strecke zurück gelegt werden kann, ein großes Werk vollendet werden kann, damit wir ankommen können.

Ich habe Montserrat so unheimlich zwiespältig verlassen, zwar von der so wunderbar gelungenen, der atemberaubenden Integration von Natur und Klostergebäuden berauscht, aber erschlagen von der Kommerzialität des Tourismusbetriebes Montserrat, allerdings hatten sie auch dadurch genau die Besucher, die dazu passten. Ja, unsere Begrüßung als Pilger im Pastoralzentrum war wundervoll gewesen und wir hatten das Kontrastprogramm erhalten. In kleinen Spuren habe ich den heiligen Ort entdeckt, in der Vispera, in dem abendlichen Chorgesang mit dem musikalischen Mönch, in der kleinen Pilgerherberge und dem freundlichen Carlas. Aber der Rest, das war ein Mammonbetrieb reinster Prägung. Die Blutsauger hatten mich angefallen und sich meiner bedient, ihre Spuren würden mich noch lange zeichnen.

„Die ganze Welt verirrt sich hier!“ Die ganze Welt verirrt sich in einer verfälschten Religion, die Christentum genannt wird, es aber nur teilweise ist. Es gibt immer wieder Menschen, die den wahren Weg finden und die dann durch ihre Bescheidenheit und die Konsequenz ihres Umsetzens des wahren Weges groß werden: Franz von Assisi, Teresa von Ávila, Mutter Teresa. Das Armutsgebot, die Gleichheit und damit Gerechtigkeit unter den Menschen ist seit zweitausend Jahren nicht umgesetzt, jedenfalls nicht so, wie ich die Beschreibung von Gottes Reich und dem Weg dahin aus Jesu Worten im Neuen Testament lesen konnte. Das Heil ist zweifellos auch in der Kirche da, in der Art, wie wir heute unsere Religion leben, doch der Strahl fließt nur spärlich. Das Wasser erfrischt zwar, doch der Segenstrom könnte unendlich viel größer sein! Meine pilger-empirische Auseinandersetzung mit dieser Dissonanz zwischen Wort, Gefühl von Stimmigkeit und aktuellem Weltzustand können Sie im „Weg des Glaubens“ nachlesen. Theologisch gesehen löst sich die Dissonanz in der „Befreiungstheologie“ auf.

Zurück auf der Landstraße fanden wir den nächsten Wegweiser versteckt hinter einem Straßenschild, wir haben auf den Weg zurückgefunden. Bald taucht eine neue Schwierigkeit vor uns auf: der Camino ist durch eine Straßenbau-Großbaustelle zerschnitten. Sehr zügig klettern wir durch die Sandberge zwischen den Baggern durch, damit uns keiner wegschickt und wir unseren Weg wieder verlieren. Ungehindert passierten wir die Baustelle und erreichten nach einer weiteren Stunde gegen fünf Uhr nachmittags Igualada. Gegenüber vom Busbahnhof fanden wir einen Carrefour Supermarkt, in dem ich erstmal für uns das Notwendigste einkaufte, Brot, Käse, Obst, Tomaten, Getränke, während Santiago sich am Busbahnhof ausruhte. Auf einem kleinen Platz mit Bänken im Schatten war die nächste große Pause des Tages dran. Igualada ist -wie viele katalonische Städte, außen recht modern mit einem großen Industriegebiet, doch es gibt auch eine sehenswerte Altstadt mit erfreulichen kleinen Gäßchen. Der Camino führte uns sicher hindurch.

Als wir an einer Kirche vorbeikamen, zog es uns – trotz der fortgeschrittenen Stunde – direkt hinein. Eine schöne Kirche – natürlich streichelte uns sanft und erholsam die Kühle des hohen, dunklen Raumes, doch da war noch viel mehr. Wir trafen auf eine Frau, die mit viel Liebe und einem Lappen die Kirchenbänke putzte. Sie war ein Wesen – durch und durch erfreulich. Ich weiß nicht, wen sonst noch solche Menschen kennt: sanft, weich, freundlich, herzlich, bescheiden, einfach, hilfsbereit, leise. Ein Mensch, der in unserer heutigen Arbeitswelt wohl immer am unteren Ende der Hierarchie stehen würde, weil er sich nicht durchsetzt, weil er einfach still seiner Wege geht und einfach nur dient. In meiner Praxis bin ich bisher einigen solcher Menschen, eben oft Frauen, begegnet, die einfach für diese Welt nicht „hart“ genug sind und in diesem Getriebe sich völlig fehl am Platze fühlen und an der Leistungsgesellschaft kaputt gehen – weil sie genau so sind: lieb, nett und freundlich, dienstbereit. Die Dissonanzen fühlen zwischen der Organisation der Arbeitswelt und dem, was sie selbst mit ihrer liebenden Seele für stimmig halten. Wenn sie keine geschützte Enklave finden, in der sie ihren weichen Weg gehen können, z.B. als Frauen und Mütter, die von ihrem Mann geschützt werden, damit sich ihre Liebe voll entfalten kann, so gehen sie darin kaputt, was todtraurig ist. Ich fühlte: hier war wieder ein solcher Mensch, doch sie hatte offensichtlich – auch hier – diese Enklave gefunden. Was für eine Wohltat, diese Frau! Danke für diesen Engel.

Santo Cristo in Igualada

Sie lief zur Sakristei und stempelte unsere Credenziale, während wir uns in den Bänken ausruhten und den Blick auf den Altar genossen und beteten. Alsdann kam sie zurück und zeigte uns „ihre“ Kirche, vor allem in der Seitenkapelle „Santo Cristo“, der heilige Christus. Dies war eine kleine, eher unscheinbare Jesusfigur am Kreuze. Sie erzählte uns, dass dieser Christus am Karfreitag 1590 ebenfalls Blut und Wasser geschwitzt hatte, wie einige Anwesende beobachtet hatten. Was dieser Weg alles für uns bereithielt! Sie holte uns einige Büchlein über diese heilige Figur und über die Kirche, die wir einsteckten, um sie später einmal zu lesen. Ein besseres Bild des Santo Cristo befindet sich hier. Ich stimmte mich ein wenig ein. Doch schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten: Nur schwer konnten wir uns trennen, doch es war schon nach 18.00 Uhr und wir wollten noch zur Herberge nach Jorba, das waren noch ein paar Kilometerchen, so 8 Stück!

Am Ausgang von Igualada war mal – wegen einer Baustelle – nix zu sehen und Santiago probierte einen Weg, um dort nach Pfeilen zu suchen. Doch wie so häufig in solchen Momenten, parkte eine Frau ihren Wagen direkt vor meiner Nase und ich fragte sie nach unserem nächsten Ziel, der Ermita Sant Jaume de ses Oliveres. Sie wies uns den Weg und bald erreichten wir das Kirchlein. Verweilen war nicht drin. Über St. Genis erreichten wir schließlich Jorba nach einem erheblichen Stück Landstraße. Die Holzschilder des Caminos hatten teilweise grottige Kilometeranzeigen, die sich gegenseitig widersprachen. Santiago war mir weit voraus, ich musste auf diesen letzten Kilometern  so richtig beißen, um sie zu bewältigen. Die Füße taten mir schon sehr weh, ich war erschöpft, es war immer noch heiß, heiß, heiß, am Ortseingang von Jorba kamen die Leute gerade aus der Piscina / Schwimmbad. 34 km war die heutige Etappe, zuzüglich der zwei größeren Umwege bzw. Sackgassen.

Endlich erreichten wir Jorba und die neue private Herberge, die erst nah am Ortsausgang zu finden war. Sie war wirklich nigelnagelneu und schön und dem Hospitalero spürte man seinen Stolz auf sein Werk an. 10 Euro, pffffff. Egal, es ginge heute keinen Schritt weiter.

Wanzenstiche

Ich berichtete ihm von meinem Wanzenproblem und zeigte ihm meine Stiche. Die hatten sich – wohl auch in Kombination mit Schweiß, Sonnencreme und den schlagfertigen Pflanzen auf dem engen Weg hinter Montserrat zu meinem eigenen Schrecken in eine schrecklich pustelige und weitflächig allergische Hautreaktion verwandelt. Kein Wunder, dass ich so hatte beißen müssen, mein Körper hatte eine kraftraubende Zweitbeschäftigung in der Immunabwehr. Er schickte mich sofort in die Farmcia und rief schnell dort an, damit sie nicht mir vor der Nase zumachte und sie dort meine Malessen begutachten könnten. Der Apothekerin machte ich sofort klar, dass ich kein kortisonhaltiges Mittel wollte, so gab sie mir eine Lotion, die Kinder bei Windpocken bekommen. Falls es nicht besser würde, sollte ich im nächsten Ort mit dann Fenistil kaufen.

Schicke allergische Reaktion...

Wieder zurück in der Herberge schlug mir der Hospitalero vor, mir Bettzeug zu geben, so dass ich gar nicht an meinen evtl. verseuchten Schlafsack müsste. Er versprach mir, Carlas in Montserrat anzurufen, damit sie eine Chance haben, etwas gegen die Wanzen zu tun. So duschte ich nur noch kurz, schmierte mich ein und das war’s für diesen Tag, denn ich fiel halb komatös ins Bett.  

Hier ein Link über die Eröffnung der Herberge!

Hier parke ich mal ein Bild für später für die Etappe Molinaseca. Leider ist das folgende Bild nicht scharf geworden. All die braunen Punkte mit den roten Pfeilen sind Bettwanzen. Nach Molinaseca haben wir unseren Rucksack zwei Stunden auseinandergenommen und in jede Ritze geschaut und mit Holzstäbchen darin rumgekratzt. Wir wollten das mal dokumentieren, wieviel Wanzen man so von einem auf den anderen Tag mitnehmen kann. Und wir sind nachts um ein Uhr aus der Herberge in Molinaseca ausgezogen, weil wir die Wanzen bemerkt hatten. Jede Wanze, die den Pilger erwischt, sticht nicht nur einmal, sondern mehrfach zu, bildet Straßen bzw. habe ich auch schon gelesen hält hintereinander Frühstück, Mittag und Abendbrot. D.h. diese 5 sichtbaren Wanzen hätten mindestens 15 schöne Stiche den Pilgern geschenkt. Und das hätte nicht uns wieder treffen müssen, sondern durchaus auch unseren Bettnachbarn.

Unsere Wanzentüte

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2 Antworten zu 28.07.2010 Montserrat – Jorba

  1. Angi schreibt:

    Ganz toller Bericht – habe ihn in meinem Camino-Blog empfohlen – ich hoffe es ist dir recht! LG Angi

    • imantlitzderliebe schreibt:

      Liebe Angi, habe ich schon gesehen, herzlichen Dank! Und natürlich ist es mir recht, dafür hier der Back-Link zu Deinem Blog:

      http://camino51.blog.de/tags/camino/

      den ich auch sehr schön finde. Es geht in den nächsten Wochen noch weiter mit dem Camino Francés, doch die Etappen des Catalán waren mir jetzt erstmal am wichtigsten, weil den kaum einer kennt. Viel Vergnügen weiterhin beim Mitlaufen! Und vielleicht auch mal ab Barcelona probieren – selbst wenn es nur bis Montserrat ist!
      Buen Camino
      Gabriele

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