25.07.2010 Jakobus-Tag Barcelona – San Cugats dels Vallees

Barceloneta - Bad in den Sonnenaufgang

Wir begannen den Morgen sehr frueh um 6 Uhr mit einem Bad im Meer, wir schwammen in die aufgehende Morgensonne. Das Wasser war frisch und trotzdem so warm, dass wir uns wohlfühlten. Das war ein wundervoller Anfang unserer Pilgerreise. Die Duschen am Strand ermoeglichten uns einen sauberen Start. Stinken würden wir noch genug.

Pilgersymbole an der Tür der Santiagokirche

Wir liefen in die Stadt und schauten erst bei der Santiago Kirche vorbei, kauften uns Wasser und Brot, und besuchten die Messe in der Kathedrale. In der Predigt ging der Pfarrer  – in Katalan, das verstehe ich dank meiner Lateinkenntnisse begrenzt – auf den Apostel Santiago ein und auf das Pilgertum. Das passte! In der Kirche sind Kerzen zur Zeit verboten, so klappte das nicht mit dem Anzuenden einer unserer Pilgerreise gewidmeten Kerze, was ich eigentlich vorhatte. Nach der Messe holten wir unseren ersten Sello, der unsere neue Pilgerreise einweihte.

Portal de'l Angel in Barcelona

Von der Kirche aus machten wir uns auf den Weg, der schon nach ein Paar Schritten auf der Plaza Catalunya für unser Frühstück endete. Geht’s besser? Nein!

Frühstück auf der Plaza Catalunya

Zwei Stunden unfaehr liefen wir durch Barcelona, auch den wunderschoenen Passeig de Gracia. Und das ist die Route für alle, die auch in Barcelona laufen wollen: von der Kathedrale zum „Portal de l’Angel“, die Plaza Catalunya überqueren und dann den Passeig de Gracia, der geht über in die Calle Major de Gràcia bis zur Plaza Lesseps. Dort findet man den ersten Hinweis auf den Camino, eine in den Gehweg eingelassene Pilgermuschel.

Pilgermuschel an der Plaza de Lesseps

Der erste gelbe Pfeil des Camino Catalán

Der erste gelbe Pfeil des Camino Catalán

Die Plaza de Lesseps verlässt man über die Avda. Vallcarca an der Bibliothek vorbei (schönes öffentliches WC) bis zum Passeig Valle Hebrón. Dort läuft man bis zum Velódromo de Horta und hinter dem Velódromo, an der Seitentür des Laberinto de Horta, fanden wir unseren ersten gelben Pfeil, Flecha Amarilla, und nun waren wir auf dem Camino de Santiago. Wer keine Lust zum Laufen hat, der fährt mit der Metro zur Station Mundet auf der grünen Linie (kam für uns natürlich nicht in Frage!).

Leben in den Straßen von Barcelona

Unterwegs fiel uns eines auf. Überall in den Straßen, an den Plätzen und vor allem unter den Bäumen standen Bänke. Und überall saßen Menschen, ganze Familien, aber auch viele alte Menschen, die so bestimmt viel besser ihren Tag verbrachten, als wenn sie einzeln in ihren Wohnungen oder sogar in Heimen säßen – wie bei uns. Wir freuten uns für sie, dass sie noch so am prallen Leben teilnahmen.

Steil bergauf hinter Barcelona

Steil bergauf hinter Barcelona

Unser Camino begann mit einem steilen Aufstieg – vorbei an einem Jugendgefängnis – und immer weiter hinauf, ein Vorzeichen wie unsere Hitzewallungen in der Nachmittagssonne, ein echter Vorgeschmack auf diesen Camino. Barcelona legte sich uns zu Füßen, wir hatten einen unbeschreiblichen Ausblick über die ganze Stadt bis zum Meer: Sagrada Familia, Torre Agbar, Kathedrale… Wir freuten total, dass wir schon so kurz nach der Innenstadt von Barcelona in die Natur eintauchen konnten.

Ausblick auf Barcelona - vorn das Velodrom, im Hintergrund Montjuic und das Meer

Die Hügel hinter Barcelona – Serra de Collserola – sind richtig, richtig schön und der Camino traumhaft. War wirklich nicht blöd, direkt in Barcelona loszulaufen. Andere hatten uns davor gewarnt, aber – wie so oft beim Camino – darf man nicht immer auf alles achten, was andere sagen. Das Herz ging auf und hüpfte – ob der Schönheit des Weges und der heftigen Subidas (Steigungen) und Bajadas (Abstiege), die waren teilweise ganz schön gefährlich. Bei der einen kommen uns zwei junge Männer entgegen, die schon mal auf dem Camino unterwegs waren und jetzt einen ordentlichen Aufstieg vor sich hätten. Sie sagten, sie hätten uns schon auf dem Passeig de Grácia gesehen. (Mensch, und dann kamen sie uns jetzt ENTGEGEN? Naja, der moderne Verkehr, nicht jeder läuft alles.) Früher habe es einen anderen Weg von Barcelona nach Montserrat gegeben, ganz flach am Fluss Llobregat entlang. Aber dieser wäre eindeutig schöner, wenn er auch „ordentlich durch die Collines (Hügel) gehen würde“. Ok!?

Collines hinter Barcelona

Hier liefen wir durch den Wald, im Schatten der Bäume wurde die Wanderung sehr angenehm. Während wir zunächst fast ganz allein unterwegs waren, füllte sich der Weg langsam. Unsere Wasservoräte gingen zuende, doch wir kamen bald an einem überfüllten Ausflugslokal vorbei, wo wir glücklicherweise als Pilger auch Wasser tanken konnten, mit einem freundlichen Lächeln überreicht!

Blick auf Can Borrell

Am Nachmittag sprach uns aufgrund der Muschel am Rucksack am Ende des Waldes Laura aus Argentinien an, die heute beim Sagrado Corazón de Jesús de Tibidabo ihren Weg begonnen hatte. Sie war auch schon von Burgos nach León gepilgert und war überglücklich, am Tages des Santiago, so hieß auch ihr Sohn, – unbeabsichtigt – auch etwas auf dem Camino zu pilgern und sogar dabei Pilger zu treffen. Wir machten am Ortseingang von St. Cugat mit allen Kameras Fotos, tauschten Email-Adressen aus und freuten uns schon auf diese schöne Erinnung.

Pilgerin Laura aus Argentinien - ein echter Sonnenschein!

Den Abend über wanderten wir durch San Cugat. Hinter Barcelona beginnt zwar die grüne Serra Collserola, aber dahinter liegt eine gewaltige städtische Region, wo St. Cugat mit ca. 70.000 Einwohnern und ca. 50 qkm fast übergangslos in die Städte Cerdanyola mit 60.000 Einwohnern, Sabadell mit 200.000 Einwohnern und Rubi mit ebenfalls 70.000 übergeht, die Gesamtregion Vallés Occidental hat über 700.000 Einwohner. Das Hinterland von Barcelona ist hoch industrialisiert, eine reiche Region. Es gibt in Katalonien Bestrebungen, sich aus Spanien zu lösen, um nicht mehr den eigenen Reichtum in die ärmeren Regionen Spaniens zu transferieren.

Monestir de San Cugat

Im Monestir de St. Cugat, einem stäbigen Sakralkomplex trafen wir in der Kirche auf einen Taufgottesdienst mit mehreren Taufen gleichzeitig und legen eine Pause in der schönen Kirche ein. Nach jeder Taufe sang der Padre einen berührenden Hymnus mit einer sehr eingehenden Melodie: „El señor en mi hizo maravillas, gloria al señor!“ „Der Herr hat in mir Wunder gewirkt, Ehre sei dem Herrn“, eine Zeile aus dem Magnificat, dem Gebet, das Maria bei ihrem Besuch bei Elisabeth hielt. Ich merkte mir diesen kurzen Hymnus und würde ihn noch oft auf dem Camino singe. Nach dem Gottesdienst erhielten wir mangels Stempel eine Unterschrift vom Pfarrer. Wir fragten nach einer Herberge in der Hoffnung, in dem Komplex etwas zu finden, doch der Pfarrer winkte ab, hier gab es nichts, in St. Cugat nur Hostales, nicht unsere Preislage. Wir pilgerten gemächlich auf dem Camino weiter und fanden unterwegs – trotz Sonntag! – einen offenen Supermarkt und kamen so an ein hervorragendes Abendbrot. „Barra Rustica“ ist ein sehr schönes, etwas dunkleres, knuspriges Baguette, Und kombiniert mit Tomaten und Käse: so schmeckt der Süden! Direkt vor dem Supermarkt standen Bänke auf einem Grünstreifen, an deren Seite ein Brunnen. Perfekt für unser Picknick.

Es wurde Abend und wir suchten uns einen Schlafplatz. In einem Park mit kleinem Teich dachten wir, diesen zu finden, bis wir aus der Distanz am Teichrand dicke Ratten rumkriechen sahen. Nääää, so weit geht es doch nicht! Neuer Ort notwendig! Wir fanden kurz darauf in der Umgebung ein wundervolles Zweibettzimmer in Grünen: zwei Bänke an einem Fahrradweg ein Stück weg von der Strasse. Es wurde dunkel, wir packten Schlafsack und Matte aus und schliefen wunderbar ein und die ganze Nacht in Ruhe durch. Ein sehr guter erster Tag!

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4 Antworten zu 25.07.2010 Jakobus-Tag Barcelona – San Cugats dels Vallees

  1. Angi schreibt:

    Hallo, ich finde es immer wieder bewunderswert wie ihr alles weltliche hinter euch lasst und einfach in den Tag hinein lebt. Wenn man das so bedingungslos kann muss das herrlich sein. Daran muss ich bei mir noch arbeiten! Noch viele schöne Caminos wünscht euch beiden Angi

    • imantlitzderliebe schreibt:

      Liebe Angi, vielen Dank für Deine lieben Wünsche. Wir sind beide selbständig und daher bedeutet für uns das Pilgern, dass wir in der Zeit unserer Pilgerreise auf Einnahmen verzichten, aber das auch selbst entscheiden. Das führt zum Einen zu unserem sehr frugalen Pilgerstil, zum Anderen aber setzen wir das Pilgern als Zeit mit Gott an die erste Stelle. Allerdings verändert Pilgern so viel im Leben, dass wir nachher viel weiter sind als vorher und wir im Prinzip eine Abkürzung gegangen sind bzw. uns viele Lebens-Umwege ersparen….Gabriele

  2. bpeterss schreibt:

    Ich bedanke mich jetzt schon einmal für Euren ausführlichen Reisebericht, denn ich selbst werde am kommenden Mittwoch (31.07.2013) ebenfalls nach Girona fliegen und dann von Barcelona aus starten. Ich war beits einmal auf dem Arragonesischem Weg und freue mich San Juan de la Pena wieder zu sehen. Aber noch viel mehr freue ich mich auf die Ruhe, die mich auf diesen Wegabschnitten erwartet, denn der Camino Frances ist mitlerweile doch stark überlaufen. In diesem Sinne: Ultreia

    • imantlitzderliebe schreibt:

      Oh, da wünschen wir ganz herzlich „Buen Camino“ bzw. „Bon Camí“. Bin grad ein paar Tage aus Barcelona zurück, bin ab Jaca mit dem Bus nach B. und habe noch einige Stationen unterwegs gesehen und gern erinnert. Ich rate dringend zu der Etappeneinteilung am Ende, in Sarsamarcuellos zu übernachten und dann in Ena, denn die Strecke ist schön, aber sehr steinig und sonst wird es zu hart. Und man ist frisch für St. Juan de la Pena, da man ja dann innerhalb kurzer Zeit dort ist. Inzwischen laufe ich auch am liebsten allein, niemand vor mir, niemand hinter mir.

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